Angst

Manchmal überkommt sie mich, diese unbändige Angst vor der Zukunft. Unvorstellbar, aber wahr, auch bei mir ist nicht immer alles toll, auch wenn ich hier eine kunterbunte Erlebniswelt preisgebe. Obwohl ich ein Stehaufmännchen bin, manchmal bin ich angreifbar. Tatsächlich lange nicht mehr so oft wie am Anfang meiner Krankheit, aber hin und wieder, in einem schwachen Augenblick, kriegt sie mich, die Angst. Ich stelle alles in Frage. Überlege, warum ich überhaupt noch studiere. Warum ich Medikamente nehme, die die Krankheit hinauszögern (sollen), mir aber einen Haufen an Nebenwirkungen bescheren. Ich frage mich, warum ich zweimal die Woche zur Physiotherapie und einmal die Woche zur Ergotherapie gehe. Warum ich nicht einfach geschehen lasse, was da in mir und mit mir geschieht. Manchmal bezweifle ich, dass ich etwas machen kann. Manchmal glaube ich, dass passieren wird, was passieren soll. Das ist mein Bauch. Normal kann ich mich auf ihn verlassen. Er schätzt für mich fremde Menschen ein, die ich kennenlerne, er lässt mich spontane Ideen umsetzen, er lässt mich die richtigen Worte in zwischenmenschlichen Angelegenheiten finden. Aber er lässt mich auch Gefühle durchleben, die ungefiltert in meinem Kopf ankommen. Und in dem Moment, in dem sie nicht gefiltert werden, überrollen sie mich. Dann muss mir nur einfallen, dass ich meinen Kopf brauche. Meinen Kopf, der mir rationale Entscheidungen ermöglicht und kombiniert mit meinem Bauch meine Art beschert. Solange es positive Emotionen sind, die mir mein Bauch ermöglichen will, dürfen sie ruhig ungefiltert durch. Dann durchfluten sie meinen Kopf, und dann die ganze Steffie und machen mich unendlich glücklich. Theater spielen, tanzen, am Meer stehen sind so ein paar Beispiele. Sind es aber negative Emotionen, brauche ich dringend meinen Kopf. Angst, Unsicherheit, Trauer und Sorgen machen sich breit und wollen Besitz von mir ergreifen. In der Anfangszeit hatten diese Gefühle mehr Chancen. Sie hatten mich voll und ganz im Griff und mein Leben ist schleppend an mir vorbeigezogen. Heute sind es nur noch Momente. Vielleicht ein paar Stunden. Dann schupse ich mich (oder ich werde geschupst) wieder in die richtige Richtung und mache weiter. Alle Pro- und Contra- Listen haben ergeben, dass Weitermachen die beste Möglichkeit ist. Weitermachen so gut es geht. Zweifelt nicht jeder ab und an an sich? Stellt nicht jeder seine Zukunft manchmal in Frage? Und bei mir gibt es einfach den Unterschied, dass ich mit dem arbeiten muss, was ich habe, und meine Entscheidungen vielleicht nicht immer ganz frei treffen kann. Aber was ändert das schon? Wichtig ist, dass man weitermacht. Egal, ob gesund oder krank.

Allerliebste Grüße

Steffie

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