Bilanz

Ein paar Tage sind um und ich habe Bilanz gezogen. Der Jahrestag ist vorbei gegangen und trotz aller Bemühungen, hat er mir scheinbar zugesetzt. Zwei Wochen lang dachte ich, ich hätte mir einen Wirbel eingeklemmt und konnte deswegen nicht richtig atmen. Zufälligerweise war das am Tag nach dem Jahrestag komplett weg. Egal wie schön ich mir gesagt habe, dass alles gut wird und, dass alles vorbei geht, mein Körper hat mir scheinbar mitgeteilt, dass er das nicht glaubt. Jetzt kann ich wieder atmen. Ich habe am Tag danach durchgeatmet und das vierte Jahr gestartet. Ein bisschen fühlt es sich an wie Silvester. Und nun ist Neujahr schon wieder vorbei und das Jahr läuft. Und es läuft ganz gut. Seit ein paar Tagen fallen mir die Veränderungen an mir bewusst auf. Ich glaube, erst im letzten Jahr (MS- Zeit) habe ich mich wirklich verändert. Ich kann bewusste Entscheidungen treffen, was ich an mich ran lasse und was nicht. Ich sortiere automatisch, mit welchen Dingen ich mich auseinandersetzen kann und will und mit welchen nicht. Ich kann Stress gut sortieren und von mir fern halten. Ich weiß wieviele Vorlesungen und somit Klausuren ich schaffen kann. Ich teile meine Zeit ein und gehe nicht mehr an Grenzen. Und doch, obwohl ich ein wirklich ausgewogenes Leben führe, fehle ich mir manchmal selber. Ich vermisse mich. Aber vermutlich ist das mein gutes Recht. Tatsächlich bin ich die meiste Zeit froh, dass ich ein komischer Mensch bin. (Komisch darf jeder für sich selbst definieren.) Das macht es mir sehr einfach durch den Tag zu kommen. Ich erfreue mich an den Kleinigkeiten. Vor zwei Tagen hat es nach Sommerregen gerochen, da bin ich ein bisschen langsamer gelaufen, damit ich länger etwas davon habe. Wenn ich an blühenden Rapsfeldern vorbei fahre, mache ich das Fenster runter, damit ich den Duft einatmen kann. Tatsächlich so kleine Kleinigkeiten machen mich ein bisschen glücklicher. Schlussendlich, sollte ich öfter daran denken, als daran, dass ich mir fehle. Ein neues Jahr hat angefangen und ich habe wieder viele neue Chancen. Ich halte nicht viel von guten Vorsätzen, aber einen habe ich: schubfrei bleiben. Vor allem habe ich jetzt die Möglichkeit, 359 Tage lang zu überlegen, wie ich den vierten Jahrestag verbringen kann. Vielleicht fahre ich zwei Wochen vorher ans Meer, da kann man auf jeden Fall besser atmen.

Allerliebste Grüße

Steffie

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