Das vierte Jahr

Natürlich gibt es trotz Baby noch einen kleinen Jahresrückblick für das vierte Jahr mit MS. Auch wenn es nicht so scheint, habe ich eifrig meine Bucketlist gefüllt. Alles in allem war es wohl das beste der vier Jahre, auch, wenn ich nicht ganz so viele Punkte der Bucketlist erfüllt habe wie in den Jahren davor. Kleider – ich muss dringend wieder Kleider kaufen gehen! Sonst schaffe ich die 300 wohl nie.

  • Disneyland besucht
  • ein Huhn gestreichelt
  • ein fremdes Land besucht
  • ein Ultraschallbild bekommen
  • 0 Schübe
  • 0 verlorene Körperteile
  • 1 (also insgesamt 8) von 16 besuchten Bundesländern
  • 4 (also insgesamt 13) vollendete Bucketlist- Punkte

Den Start ins fünfte Jahr habe ich ja irgendwie verpasst. Es ist schon gut einen Monat alt und ich frage mich, wo ebendieser hin ist. Immerhin werde ich wohl in diesem fünften Jahr einen sehr großen Punkt meiner Liste abhaken, der schon verdammt lang in Arbeit ist – meinen (ersten) Abschluss an der Uni. Mal sehen wie sich Amelie so in der Uni macht und ob ich das Ziel auch bis zum nächsten Frühjahr erreichen kann. Ansonsten bin ich letzte Woche einen Schritt Richtung MS- Normalität gegangen und habe meine Medikamenteneinnahme wieder gestartet, die bekannten Nebenwirkungen (Verlangsamung des Herzens) bei der Ersteinnahme gut überstanden und den Körper mit etwas Ruhe wieder an das gute Zeug gewöhnt. Jetzt fühle ich mich wieder normal und meide Menschen mit Erkältungen und anderen spannenden Erkrankungen, weil mein Immunsystem wieder auf ein Minimum heruntergefahren ist. Das hat bereits in der Vergangenheit gut geklappt und ich denke, dass es jetzt wieder so sein wird. Aber warten wir mal den ersten Besuch beim Kinderarzt ab, deren Wartezimmer sollen ja besonders toll sein.

Allerliebste Grüße

Steffie

 

Warum es so lange so still war…

Lang, lang ist’s her und doch bin ich noch da. Irgendwie hat mir das gefehlt, aber irgendwie habe ich auch lange nicht die richtigen Worte gefunden. Oft habe ich abends im Bett hin und her überlegt, was ich mal wieder schreiben könnte, und doch hat mich nichts so beschäftigt, das es mir Wert schien, es zu schreiben. Außer einer Sache. Und die konnte ich nicht in Worte fassen. Oder wollte ich nicht in Worte fassen. Wer weiß? Klammheimlich habe ich vor ein paar Wochen einen Bucketlistpunkt erfüllt bekommen. Den einzigen Punkt, den ich nicht selbst in der Hand hatte. Oder sagen wir nur bedingt. Aber schlussendlich auch wieder gar nicht. Und die Tatsache, dass ich ihn erfüllt bekommen habe, hat mich unendlich überwältigt. Und es hält noch an.

Ein erstes Ultraschallbild bekommen

Und nun sitze ich hier, viele Wochen nach dem ersten Ultraschallbild, mit nun viel mehr Ultraschallbildern, einem kleinen Babybauch, ordentlich Appetit und war noch nie so sehr im Einklang mit mir selbst. Die Vorweihnachtszeit, die mir noch letztes Jahr wie ein Marathon vorkam, fühlt sich an wie ein Geschenk. Ich genieße jede Minute und sauge jede kleine Wunderbarkeit in mich auf. In mir herrscht eine Art von Glücklichsein, die ich so noch nicht kannte und die jedes andere Glücklichsein so viel kleiner erscheinen lässt. Und auf einmal ist alles so leicht. Dieses kleine Wesen gibt mir die innere Ruhe, die alles mit Leichtigkeit geschehen lässt. Und doch lebe ich in erster Linie mein vorheriges Leben weiter und werde auch so lange wie möglich versuchen, es dabei zu belassen. Die Uni hat mich fest im Griff und ich arbeite daran, Anfang des Jahres noch so viele Prüfungen wie eben möglich abzulegen. Aber eben auch das gelingt mir so viel besser. Dieser innere Antrieb ist doch etwas Feines.

Und nun habe ich einmal den Bann durchbrochen und werde versuchen, wieder etwas mehr zu schreiben. Leider hält es sich dieses Jahr in Grenzen mit Selbstgemachtem. Aber vielleicht werde ich nächste Woche nochmal kreativ.

Allerliebste Grüße

Steffie

Frankreich

imag4391So, da bin ich wieder. Seit zwei Tagen bin ich schon wieder daheim und versuche in meinem Kopf all die wunderbaren Eindrücke der letzten Woche zu verarbeiten und sortieren. Und so langsam aber sicher kommt in meinem Kopf an, was ich alles so erlebt habe. Ich war in Frankreich und irgendwie habe ich mein Herz dort gelassen. Ich hoffe, es kommt irgendwann auch wieder heim. Aber irgendwie habe ich den leisen Verdacht, dass ich es eine lange Zeit nicht wieder sehen werde. Zur Not hole ich es mir wieder, denn ich war nicht das letzte Mal in Frankreich. Unseren Urlaub haben wir mitten im Inland in Saint- Fargeau begonnen. Ein niedliches kleines Dörfchen mit keiner größeren Stadt in der Nähe. Unglaublich schön. Es gab einen See, einen Pool, Sonne, kein Internet und die wunderbare Weite der französischen Landschaft mit all ihren kräftigen Farben. Und da war es schon um mich geschehen. Noch dazu all diese süßen historischen Stadtkernchen und ich habe mehr als genug Urlaub. Ich bin nicht so dafür gemacht, Tage lang an einem Strand oder Pool zu liegen und gerade deswegen waren das perfekte fünf Tage. Ich lag in der Sonne, ich war schwimmen, ich habe Städtchen angeschaut und ich konnte Landschaften betrachten. Und somit war ich der entspannteste Mensch der Welt, als wir am sechsten Tag nach Paris gefahren sind. Paris. Die erste Stadt, die Wien das Wasser reichen kann. Aber sowas von. Egal um welche Ecke man geht, überall lauert Kunst und Kultur. Wunderbar. Leider war der Plan, Paris erstmal kennen zu lernen, um dann zu entscheiden, ob es sich lohnt, nochmal wieder zu kommen. Ich hätte es besser wissen müssen. Es hätte mir klar sein sollen, dass es sich lohnt. So habe ich all die Kunst nur hinter den dicken Mauern der Gebäude erahnt, aber nicht gesehen. Was aber nicht nur schlimm ist, weil ich mein Herz ja eh noch dort abholen muss. In dem Zuge werde ich mir direkt die ganze Kunst anschauen. An diesem einen Tag habe ich immerhin direkt den ersten Bucketlistpunkt abgehakt.

Ein Baguette in Paris essen.

Natürlich kommt die wunderschöne Hauptstadt Frankreichs in meiner Bucketlist vor. So habe ich mir in einer kleinen Bäckerei in einer Nebenstraße in Paris ein frisches Baguette gekauft und gefuttert. Naja, halb gefuttert. Ist ganz schön groß so ein Baguette. Natürlich habe ich mir auch die meisten Sehenswürdigkeiten angeschaut, zumindest von außen. Wirklich toll, dieses Städtchen.

imag4471Am Tag darauf kam dann das absolute Highlight unserer Reise. Ich glaube, ich habe es noch nie erzählt, aber ich bin ein großer Fan von Disney und da ist es natürlich ein Muss, das Disneyland zu besuchen. Bei wunderschönstem Wetter sind wir einen ganzen Tag durch’s Disneyland gelaufen. Begrüßt wurde ich am Eingang mit: „Oh, you have a happy face.“ und beendet habe ich den Tag in der ersten Reihe der Disneyparade, aufgeregter als die etwa sechsjährige Pauline neben mir (wir haben uns dort spontan kennengelernt). Dieser ganze Tag war so herzerfüllend schön, dass ich immer noch davon zehre. Und somit habe ich den zweiten Bucketlistpunkt fertig gestellt.

Disneyland Paris besuchen.

Alles in allem waren es sehr entspannende, aufregende, glücklich machende, beeindruckende, spannende Tage und ich bin mir sicher, dass ich nochmal in Frankreich Urlaub machen werde.

imag4518Allerliebste Grüße

Steffie

Jahrestag

Vor Kurzem habe ich ein Gespräch über „Ankommen“ geführt. Lange Zeit meines Lebens dachte ich, dass es DAS Ziel im Leben gibt. Dass man auf das eine Ideal hinarbeitet. Ich wurde eines besseren belehrt. Jeden Tag ändern sich Ziele. Jeden Tag ändern sich die Sachen, die uns ankommen lassen. Vor allem haben wir fast gar keinen Einfluss darauf, wodurch sich unsere Ziele ändern. Das einzige, was wir ändern können, ist die Art wie wir mit Veränderungen umgehen. Natürlich sollte man seine großen Ziele nicht aus den Augen verlieren, trotzdem kann es sein, dass sie an Wichtigkeit verlieren. Plötzlich fällt uns auf, dass andere Sachen viel wertvoller sind. Deswegen hört man ja nicht auf, sein großes Ziel zu verfolgen, aber vielleicht weniger verbohrt. Heute vor drei Jahren wurde ich gezwungen, meine Pläne zu ändern. Und ich habe sie geändert. Ich habe meine großen Ziele nicht aus den Augen verloren, aber ich habe den Blick für das kleine Ankommen dazu gewonnen. An manchen Tagen reicht mir ein gutes Buch, ein schönes Gespräch, ein tolles Lied. Vor allem weiß ich, dass es DAS eine Ziel nicht gibt. Es ist nicht da. Man sollte lieber versuchen, jeden Tag in den kleinen Dingen des Lebens anzukommen, als auf das eine große Ankommen hinzuarbeiten. Denn wenn man dort angekommen ist, hat man alle anderen Wunderbarkeiten verpasst, weil man sich einzig auf diese eine große Sache konzentriert hat. Und das wäre ganz schön schade.

Mit diesen Gedanken werde ich nun versuchen, diesen dritten Jahrestag zu vollbringen. Ich schaue auf drei spannende Jahre zurück, in denen ich mehr gewonnen, als verloren habe. Nachdem ich mich endlich gewöhnt habe, kann ich sagen: Mir geht es gut!

  • 5 von10 besuchten Stränden
  • 45 Minuten auf dem Crosstrainer (Stufe 12)
  • 7 von16 besuchten Bundesländern
  • (nur) ein Schub
  • 0 verlorene Körperteile
  • 58 von 300 Kleidern
  • 9 vollendete Bucketlist- Punkte

Allerliebste Grüße

Steffie

P.s.: Ach, und nur für’s Protokoll: mein Blog feiert heute seinen ersten Jahrestag mit dem 100. Beitrag. Auf die nächsten 100!

Dr. House

Früher war ich ein kleiner Hypochonder und deswegen habe ich nie Arztserien geguckt. Das gute an einer chronischen und unheilbaren Krankheit ist, dass man sich dann Arztserien anschauen kann. Man braucht sich ja nichts mehr einbilden. Das heißt, ich habe nachgeholt, was ich verpasst habe. Zum Beispiel habe ich mir acht Staffeln Dr. House hintereinander angesehen. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, was ich davon halten soll, aber House ist mir sympathisch. Sehr sympathisch. Also konnte ich nichts anderes tun, als House irgendwie in meine Bucketlist einzufügen.

Alle Dr. House Staffeln besitzen

Dann habe ich angefangen, mir ab und zu eine Staffel zu kaufen. Ich habe festgestellt, dass das endlich eine Serie ist, die ihr Design von der ersten bis zur letzten Staffel durchgezogen hat, was zur Folge hat, dass die Staffeln im Regal sehr hübsch aussehen. Zusätzlich bin ich sehr stolz, dass meine Krankheit scheinbar cool genug ist, um in der Serie erwähnt zu werden. Zwar ist sie nur eine Erstdiagnose, die später wieder verworfen wird, aber trotzdem. Dabei sein ist alles. Natürlich stehen mittlerweile alle acht Staffel in meinem Schrank und ich bin sehr überzeugt von Hugh Laurie. Vor ein paar Tagen musste ich mit der kleinen kleinen Schwester „Stuart Little“ gucken und musste zweimal hinsehen, als Hugh Laurie den Vater von Stuart gespielt hat. Der Mann ist scheinbar noch vielfältiger einsetzbar, als ich gedacht habe.

Allerliebste Grüße

Steffie

Ich habe ein Huhn gestreichelt

Ich erzähle ja immer wieder, dass ich alle möglichen Dinge auf meiner Bucketlist habe. Manche Dinge sind wirklich sehr speziell. So auch der Punkt, den ich heute abgearbeitet habe.

Ein Huhn streicheln

Ich weiß nicht genau wie dieser Punkt zu Stande gekommen ist. Auf jeden Fall ist mir irgendwann bewusst geworden, dass ich gar nicht weiß wie sich so ein Huhn anfühlt, aber eigentlich schon wissen wollte wie das so ist. Und auch bei diesem Punkt habe ich es nicht drauf angelegt. Heute Morgen hat der allerbeste Ehemann gesagt: „Hey, sollen wir ein Huhn streicheln gehen?“ Und nach kurzem Überlegen fiel mir auf, dass er mir damit sagen wollte, dass er mit mir zusammen einen guten Freund besuchen will. Dieser hat einen Bauernhof. Um genau zu sein, seine Eltern. Und auf diesem Bauernhof rennen viele Hühner rum. Und eins von diesen Hühnern habe ich ein paar Stunden später gestreichelt. Es war wunderhübsch. Es war nicht so ein normales Huhn, sondern ein schwarz- weiß gemustertes. Und es hat sich ganz weich angefühlt. Nachdem es einmal gefangen war, war es auch ganz artig. Ich konnte es sogar selbst festhalten. Jetzt weiß ich wie sich ein Huhn anfühlt. Ein Punkt weniger.

Allerliebste Grüße

Steffie

Kleider

IMAG3689Seit Jahren kleide ich mich fast ausschließlich mit Kleidern. Ich besitze auch ausschließlich fast nur Kleider. Auch Menschen aus meinem näheren Bekanntenkreis kennen mich nur in Kleidern. Ich trage Kleider zu jeder Jahreszeit. Im Sommer ist das sowieso von Vorteil und im Winter kommt das Zwiebelsystem zum Einsatz, das ich perfektioniert habe. Meine Kleider sind bunt. Ich besitze Kleider in fast jeder Farbe. Mit Muster und einfarbig. Sie hängen in einem gesonderten Kleiderschrank, der Farbe nach sortiert. Da meine Kleider mich ausmachen, lag es nahe, dass meine Kleider einen Bucketlisteintrag verdienen.

300 Kleider besitzen

Zum aktuellen Zeitpunkt besitze ich 58 Kleider. Das 58. Kleid hat vor etwa zwei Wochen seinen Weg in meinen Kleiderschrank gefunden. Einer Hochrechnung zu Folge, müsste es zu schaffen sein, dass sich irgendwann 300 Kleider in meinem Kleiderschrank befinden, davon ausgehend, dass sich die ersten 58 in etwa zehn Jahren angesammelt haben und davon drei Viertel in den letzten fünf Jahren. Die wichtigste Regel dabei ist, dass ich keins der Kleider wegschmeiße, auch, wenn es Kleider gibt, die mir nicht mehr passen. Mit manchen Kleidern verbinde ich tolle Theatererinnerungen, mit manchen durchtanzte Nächte, mit manchen bestandene Prüfungen, meine Hochzeit, meinen Abiball. Weil ich sie nicht wegwerfe, brauchen sie vermutlich irgendwann einen eigenen Raum. Aber wenn ich mir irgendwann 300 Kleider geleistet haben kann, dann kann ich mir wahrscheinlich auch den Platz dazu leisten.

Allerliebste Grüße

Steffie

Kurzer Überblick

So Herrschaften, da bin ich wieder. Seit meinem letzten echten Beitrag hatte ich noch nicht wieder Zeit, einen vernünftigen Beitrag zu schreiben. Der allerbeste Ehemann und ich kamen aus Büsum wieder, kurz durchgeatmet, ein bisschen arbeiten und zack, waren wir schon wieder auf der Autobahn auf dem Weg nach Hamburg. Diesmal war die allerbeste kleine kleine Schwester auch dabei. Ich war bereits zweimal in Hamburg und hatte schon vieles angeschaut, aber diesmal habe ich Hamburg von einer anderen Seite kennengelernt. Wir waren in Blankenese und haben die ersten Sonnenstrahlen bei einem Kaffee am Strand der Elbe genossen. Ganz nebenbei kann ich Hamburg jetzt von der Bucketlist streichen.IMAG3594Wieder daheim angekommen gab es direkt das nächste Abenteuer: das allerbeste Patenkind zum ersten Mal im Theater. Im Theater Oberhausen gibt es doch tatsächlich ein Stück für kleine Kinder ab drei. Und hin mit dem Kind! Dieses hatte sichtlich Spaß und ließ sich nach dem Stück mit stolzem Grinsen im Bühnenbild fotografieren. Zum Abschluss gab es noch ein Eis. „Eis mit Banane.“ „Richtige Banane?“ “ Eis aus Banane. Und Banane.“ „Du möchtest richtige Banane auf deinem Eis?“ „Ja. Und Eis aus Banane.“ Ich finde toll, dass das allerbeste Patenkind jetzt sagen kann, was es möchte. Ist viel einfacher als früher. Die Bananen hab übrigens ich gegessen.

Seit gestern lebe ich mich wieder ein und war erstmal bei der Physio. Mir stehen drei sehr ruhige Wochen bevor. Drei Wochen und ein Tag. Ich arbeite mit viel Ehrgeiz an meinem Projekt für die Uni, damit ich schnell damit fertig werde und vielleicht noch ein bisschen Ferien haben werde. Ach ja, ein bisschen gemalert habe ich auch noch. Und werde ich auch noch. Besser als jede Ergotherapie. Ich mag, wenn routinierte Handgriffe funktionieren, ohne, dass ich alles durch die Gegend schmeiße. Vielleicht sollte ich wieder mehr malern.

Allerliebste Grüße

Steffie

Wo das Meer zum Himmel wird…

IMAG3510Ich erzähle es immer wieder. Ich brauche das Meer. Nach meiner eher weniger guten Phase, oder sagen wir, noch in der weniger guten Phase, habe ich Urlaub gebucht. Und da es für mich am Meer kein schlechtes Wetter gibt, habe ich mich für die Nordsee entschieden. Weil ich die niedersächsische Küste weitestgehend abgegrast habe, habe ich mich in Schleswig Holstein umgeschaut. Und siehe da, ein kleines Örtchen namens Büsum kam ganz nett daher. Und es hält, was es versprochen hat. Ein süßes, kleines Städtchen mit einer netten Küste, einem schönen Schwimmbad und einer Seehundauffangstation in der Nähe. Was will man mehr? Gar nichts. Als wir fast angekommen waren in Büsum, ist mir dann auch aufgefallen, dass ich bei meiner Auflistung bisheriger Besuche in deutschen Bundesländern, Schleswig Holstein vergessen hatte. Vor vielen Jahren waren der allerbeste (damals Noch-nicht-) Ehemann und ich in Sankt Peter Ording. Und der jetzige Besuch zählt dann zur neuen Ansammlung der Besuche von deutschen Bundesländern. Des Weiteren werde ich ein neues Glas mit Sand füllen. Somit sind es nun fünf an der Zahl und die Hälfte ist geschafft.

Heute ist etwas Wunderbares geschehen. Ich mag an der Nordsee auch das Watt. Ich laufe gerne hindurch und schaue, was das Meer so herangespült hat. In Niedersachsen versinkt man nach geraumer Zeit ziemlich tief im Watt. Das geht eigentlich nur barfuß. Aber hier in Schleswig Holstein ist das Watt fester und man kann gefühlt unendlich weit hineinlaufen. Das haben der allerbeste Ehemann und ich getan. Mit Gummistiefeln sind wir der Flut entgegengelaufen, bis wir am Wasser waren. Und auf einmal gab es eine Situation, in der man sich unfassbar leicht und losgelöst gefühlt hat. Die Farbe des Himmels war die Farbe des Meeres und umgekehrt. Es war fast windstill und das Meer blubberte vor sich hin. Die Flut. Außer diesem leisen Blubbern gab es kein einziges Geräusch. Regungslos stand ich im Wasser und habe diese klitzekleinen Wellen über meine Füße schwappen lassen. Ich sage euch, man fühlt sich so klein. Alle Sorgen sind so weit weg. So habe ich ein paar Minuten zwischen Meer und Himmel gehangen und habe die Leichtigkeit mein Herz wieder glücklich machen lassen.IMAG3526Allerliebste Grüße

Steffie

Leipzig

IMAG3328Ich kann ein weiteres Bundesland auf meiner Liste abhaken: Sachsen. Wieder mal habe ich ein nettes Angebot gefunden, was dem allerbesten Ehemann und mir ermöglicht hat, Leipzig einen Besuch abzustatten. Und was soll ich sagen? Auch Leipzig ist einen weiteren Besuch wert. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber ich schaue gerne Häuser an. Und Leipzig hat viele hübsche Häuser zu bieten. Unser Hotel war sehr nah an der Innenstadt, also eigentlich quasi in der Innenstadt und deswegen konnten wir uns ganz viel der Stadt zu Fuß anschauen. Wir sind immer wieder ins Hotel zurück gekehrt, damit ich Pause machen kann, und sind dann wieder losgelaufen. Ich freue mich immer wieder über eine bunte Mischung von neuen und alten Gebäuden und gerade Leipzig hat davon sehr viel. Gerade die Einkaufsstraße, die mit Teilen der Universität kombiniert ist, hat es mir angetan. Ein Gebäude der Universität, das schon meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, bevor wir überhaupt in der Einkaufsstraße angekommen waren, war der Wahnsinn. In der Fassade wurden moderne Elemente mit den Elementen einer gotischen Kirche vereint, ich konnte mich einfach nicht satt sehen. Natürlich gab es auch in Leipzig noch einen Weihnachtsmarkt und die Tatsache, dass wir montags und dienstags abends drüber laufen konnten, hat die Sache sehr angenehm gemacht. Keine großen Menschenmassen, nicht viele Touristen und völlige Bewegungsfreiheit. Davon abgesehen ist auch der Weihnachtsmarkt in Leipzig gut angelegt. Viele kleine Weihnachtsmärkte schließen sich zu einem großen Weihnachtsmarkt zusammen.

Und dann habe ich mich noch verliebt. In Leipzig gibt es eine Vielzahl von Antiquariaten. Leider bin ich ins ein hinein gegangen und ich hätte fast geweint vor Glück. Ja, haltet mich für komisch, aber ich liebe Bücher. Und noch mehr liebe ich alte Bücher. Zu wissen, dass sie so viel mehr erlebt haben als ich und so viel mehr erleben können, lässt mich ehrfürchtig vor ihnen stehen. Eine alte Sammlung aller Brecht- Werke hat mich fast schwach werden lassen. Aber leider habe ich zur Zeit weder das Geld dafür (ihr ahnt gar nicht wie teuer Bücher sein können), noch den Platz, die Sammlung angemessen zu präsentieren. Aber eines Tages… ich werde dich wiederfinden, Brecht- Sammlung.

Und dann… der große Augenblick: das Zusammentreffen zweier Bucketlist- Punkte, die gleichzeitig erfüllt wurden. Der Punkt, Sachsen zu besuchen, wurde ja quasi die ganze Zeit erfüllt und parallel dazu bin ich mit dem allerbesten Ehemann in die Oper gegangen.

Eine Oper sehen

Ich war noch nie in der Oper. Sagen wir so, ich bin nicht der größte Fan von klassischer Musik. Ich kann ihr nicht sonderlich viel abgewinnen. Oder sagen wir konnte. Wir haben „La Bohème“ gesehen. Es war eine gute Entscheidung. Ich dachte, wenn ich schon eine Oper anschauen will, dann richtig. Und was soll ich sagen, noch beeindruckt vom Gebäude, seiner Größe, seiner Aufmachung, seiner Imposanz, wurde ich von dem Stück völlig überwältigt. Jahrelang sensibilisiert, die Gefühle, die auf einer Bühne preis gegeben werden, in mich aufzunehmen, überrollten mich die Emotionen, die durch diesen perfekten Gesang und die dazu abgestimmten Bewegungen und natürlich durch die Untermalung eines klassischen Orchesters übertragen wurden, vollständig. So ließ das Stück eine Steffie übrig, die mit Tränen in den Augen, fassungslos in ihrem Stuhl saß. Nicht in der Lage, zu erklären, wann sie so mitgenommen worden war. Das wird nicht meine letzte Oper gewesen sein.

Alles in allem ist Leipzig auf jeden Fall eine Reise wert. Und wer Lust hat, eine ganze Zeit durch das Städtchen zu stromern und dabei die Augen aufhält, wird fündig werden. Leipzig ist keine klassische Großstadt, sondern eine gute Mischung aus Einmalig- und Bodenständigkeit. Wir werden uns wiedersehen!IMAG3334Allerliebste Grüße

Steffie