Pflanzen, Vögel, Farben…

IMAG3989Dieses Jahr habe ich es das erste Mal geschafft, meinen Balkon so aussehen zu lassen, wie es schon lange meinen Vorstellungen entspricht. Ich dachte immer, es wäre eine geheime Wissenschaft, Pflanzen nicht sterben zu lassen, das ist aber Unsinn. Ich habe festgestellt, wenn man den Pflänzchen ein bisschen Zeit zukommen lässt, reicht das völlig aus. Der Punkt ist, man muss sich die Zeit nehmen. Jeden Tag bin ich mindestens eine viertel Stunde auf dem Balkon. Ich gieße, was zu gießen ist, ich hege und pflege. Wenn ich ein bisschen Ruhe brauche, gehe ich auf den Balkon und mache sauber, topfe Pflanzen um oder versorge die Vögelchen. Diese haben sowohl ein kleines Futterhäuschen als auch eine Badestelle. Und manchmal, wenn meine lieben Katzen sich von Balkontür und Fenster zum Balkon fern halten, kann ich die Vögelchen beobachten, wie sie auf meinem Balkon rumhüpfen, fressen, sich putzen oder sich einfach unterstellen, wenn es wieder aus Eimern schüttet. Seit Neustem bringen die Blau- und Kohlmeiseneltern auch ihre Kinder mit. Die sitzen dann auf meinem Tisch und lassen sich füttern. Ich werde oft belächelt, weil ich immer wieder versuche noch mehr Pflanzen auf meinem Balkon unterzubringen. Ich finde nicht schlimm, dass er so voll ist. Die freie Fläche reicht genau für zwei Stühle. Der eine ist meist zusammengeklappt. Der andere steht genauso, dass ich mit dem Kopf zwischen all meinen Blumen sitze und all die Farben genießen kann. Kombiniert mit einem guten Buch und einem Glas Wein, ist es eine meiner liebsten Stellen auf der Welt.

Allerliebste Grüße

Steffie

Ziegenpeter

IMAG3750Irgendwie habe ich versäumt, euch von einem Ausflug zu erzählen, den ich vor etwa drei Wochen mit einer Freundin unternommen habe. Wir hatten uns im Ziegenpeter in Duisburg verabredet. Mir war bekannt, dass es sich dabei um ein Restaurant handelt, was mich aber genau erwartet, war mir nicht bewusst. Hätte ich mal. Wir haben uns also zum Frühstück getroffen und ich habe mich morgens um viertel nach acht auf den Weg nach Duisburg gemacht. Ich persönlich finde Duisburg ja hässlich. Ich habe eine längere Zeit dort gelebt und ich muss sagen, es gibt schönere Städte. Aber je länger ich fuhr, desto netter wurde die Umgebung. Irgendwann wurde mir klar, dass der Ziegenpeter am Rhein liegen muss. Als mein Navi mit mitteilte, dass ich den Zielort erreicht hatte, fand ich mich auf einem Parkplatz wieder, von dem aus kein Restaurant  zu sehen war. Aber eine Beschilderung fand ich und startete einen kleinen Spaziergang durch den scheinbar noch nicht sehr alten Duisburger Rheinpark. Ich folgte den weißen Ziegenpetern, die auf Bänke, Wände und Schilder gemalt waren, und fand mich direkt am Rhein wieder. Das Wetter war wunderbar und da ich noch ein paar Minuten Zeit hatte, stand ich am Geländer und schaute dem Rhein zu. Dafür musste ich sogar über einen kleinen Strand laufen, der dort angelegt worden war. Generell ist der ganze Park ganz toll angelegt und man hat einen ganz wunderbaren Blick über den Rhein. Jetzt kommen wir zu dem Essen. Ich habe selten Essen in einem so guten Preis-Leistungsverhältnis gegessen. Es war wirklich, wirklich gut. Nun hatte ich an diesem Morgen nur einen Joghurt mit Müsli. Aber selbst dieses Gericht hat mich dazu gebracht, dass ich am nächsten Tag den allerbesten Ehemann dazu überredet habe, mit mir nochmal zum Ziegenpeter zu fahren, um dort zu Abend zu essen. Und ich sage euch, ich war da nicht zum letzten Mal. Wir waren an diesem einen Tag im April dort, als das Wetter schon so schön war. Und das Abendessen hat das Frühstück noch um Längen geschlagen. Ich hatte Pasta mit Ziegenkäsesoße und Weintrauben und Brot mit mariniertem Ziegenkäse. Ich habe schon sehr, sehr lange nichts so Gutes mehr gegessen. In meinem Ziegenkäse waren Blüten! Es sah wunderschön aus und hat noch besser geschmeckt.IMG_20160421_180659Ich empfehle euch dringend einen Besuch im Ziegenpeter. Nur warne ich euch vor, ihr solltet einen Tisch reservieren und, wenn schönes Wetter ist, wird die Sache mit dem Parken schwierig. Aber ich sage euch, nehmt es auf euch. Es lohnt sich!

Allerliebste Grüße

Steffie

 

Kurzer Überblick

So Herrschaften, da bin ich wieder. Seit meinem letzten echten Beitrag hatte ich noch nicht wieder Zeit, einen vernünftigen Beitrag zu schreiben. Der allerbeste Ehemann und ich kamen aus Büsum wieder, kurz durchgeatmet, ein bisschen arbeiten und zack, waren wir schon wieder auf der Autobahn auf dem Weg nach Hamburg. Diesmal war die allerbeste kleine kleine Schwester auch dabei. Ich war bereits zweimal in Hamburg und hatte schon vieles angeschaut, aber diesmal habe ich Hamburg von einer anderen Seite kennengelernt. Wir waren in Blankenese und haben die ersten Sonnenstrahlen bei einem Kaffee am Strand der Elbe genossen. Ganz nebenbei kann ich Hamburg jetzt von der Bucketlist streichen.IMAG3594Wieder daheim angekommen gab es direkt das nächste Abenteuer: das allerbeste Patenkind zum ersten Mal im Theater. Im Theater Oberhausen gibt es doch tatsächlich ein Stück für kleine Kinder ab drei. Und hin mit dem Kind! Dieses hatte sichtlich Spaß und ließ sich nach dem Stück mit stolzem Grinsen im Bühnenbild fotografieren. Zum Abschluss gab es noch ein Eis. „Eis mit Banane.“ „Richtige Banane?“ “ Eis aus Banane. Und Banane.“ „Du möchtest richtige Banane auf deinem Eis?“ „Ja. Und Eis aus Banane.“ Ich finde toll, dass das allerbeste Patenkind jetzt sagen kann, was es möchte. Ist viel einfacher als früher. Die Bananen hab übrigens ich gegessen.

Seit gestern lebe ich mich wieder ein und war erstmal bei der Physio. Mir stehen drei sehr ruhige Wochen bevor. Drei Wochen und ein Tag. Ich arbeite mit viel Ehrgeiz an meinem Projekt für die Uni, damit ich schnell damit fertig werde und vielleicht noch ein bisschen Ferien haben werde. Ach ja, ein bisschen gemalert habe ich auch noch. Und werde ich auch noch. Besser als jede Ergotherapie. Ich mag, wenn routinierte Handgriffe funktionieren, ohne, dass ich alles durch die Gegend schmeiße. Vielleicht sollte ich wieder mehr malern.

Allerliebste Grüße

Steffie

Kraftinsel

Disneyfilme können gemein sein. Disneyfilme können sehr gemein sein. Am letzten Donnerstag habe ich einen sehr guten Freund besucht. Und wir haben den Disneyfilm „Alles steht Kopf“ geschaut. Eins haben fast alle Disneyfilme gemeinsam. Sie gehen an deine Gefühle. Und sie gehen so ein deine Gefühle, dass du es nicht mitbekommst. So fand ich mich weinend, ja richtig, weinend (also nicht so ein Tränchen, weil Simbas Vater gestorben ist, sondern viele, viele Tränen) auf der Couch meines sehr guten Freundes wieder. Es kam überraschend. Aber als ich darüber nachgedacht habe, wieso ich überhaupt und wieso gerade an diesen Stellen so schrecklich weinen musste, ist mir bewusst geworden, dass ich einfach sehr angreifbar war. Ich habe begriffen, dass mich viel mit der Hauptdarstellerin verbindet. Dein Leben gerät aus den Fugen. Grund erstmal egal. Denn man reagiert meist mit dem gleichen Mechanismus. Man denkt erstmal, dass man trotzdem fröhlich sein muss. Niemand sollte bemerken, dass man traurig ist. Oder verunsichert. Oder angreifbar. Doch manchmal muss es eben genau das sein. Manchmal darf man weinen. Und traurig sein. Und all die negativen Gefühle zulassen. Und man darf auch auf der Couch des sehr guten Freundes sitzen und schrecklich weinen. Wichtig ist doch, dass man weiß, dass es danach wieder besser wird. Dass man daran arbeiten kann und, dass es wieder gute Zeiten geben wird. Wichtig ist, dass man es aussprechen darf, dass man traurig ist. Und in meinem Fall darf ich sogar aussprechen, dass ich gar nicht genau festmachen kann, was mich eigentlich so unendlich traurig macht. In so einem Fall braucht man „nur“ Menschen, die dir sagen, dass es okay ist. Dass es wieder besser wird. Dass sie da sind. Und die mit dir Urlaub am Meer buchen.

Heute habe ich meiner allerliebsten besten Freundin von dem Film erzählt. Sie hatte ihn schon gesehen. Ihr fielen die Inseln ein. Die Inseln, die einen Menschen ausmachen. Sie hatte sich gefragt, welche Inseln sie wohl hat. Daraufhin habe ich mir die Frage gestellt, welche Inseln mich wohl ausmachen. Und ganz abgesehen von der Herzmenscheninsel ist mir spontan meine Kraftinsel eingefallen. Ich kann Kraft aus mir selbst holen. Ich werde mit jedem einzelnen Rückschlag so viel besser. Ich habe das Gefühl, ich wachse an mir selbst. Jedes Tief ist nicht mehr so tief wie das Tief davor, weil ich nach jedem Tief stärker werde. Ich muss es sagen: Ich bin stolz auf mich! Ich bin wieder da!

Allerliebste Grüße

Steffie

Kleine graue Wolke

Auch, wenn ich den Umgang mit der Krankheit mittlerweile besser hinbekomme, habe ich immer noch Schwierigkeiten, Kontakt mit anderen MS-Erkrankten zu haben. Also vermeide ich ihn immer. Heute bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe mich nach Wuppertal ins Rex Filmtheater gewagt, um mir den Film „Kleine graue Wolke“ von Sabine Marina anzuschauen. Was ich dabei vergessen hatte: ich war nicht die einzige MS-Kranke. Logischerweise. So stand ich also, glückerlicherweise den allerbesten Ehemann an meiner Seite, vor einem Kinosaal mit vielen Menschen mit offensichtlichen Behinderungen. Ein Blick in meine Zukunft (.) (!) (?) Vielleicht. Die Tatsache, dass ich das Publikum bei der Planung meines Kinobesuchs vergessen hatte, bescherte mir einen kurzzeitigen Schockzustand, den ich elegant damit überging, irgendein unsinniges Spiel auf meinem Handy zu zocken. Im dunklen Kinosaal war es dann okay. Nur führte mir die Situation vor Augen, wieso ich kein bisschen dazu bereit bin, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Und aktuell bin ich mir auch nicht sicher, ob ich es jemals sein werde. Aber muss ich ja auch nicht.

Ich habe MS. Aber andere haben andere Sachen.

Sabine Marina ist selbst an MS erkrankt und ihr Mut, sich öffentlich damit auseinander zu setzen und andere ein Stück weit teilhaben zu lassen, erinnerte mich an mich selbst, weswegen mich der Film sehr interessierte. Es ist ein Film, der nur in ein paar Kinos gezeigt wird und ursprünglich dachte ich, dass ich ihn überhaupt nicht sehen kann. Aber der heutige Termin in Wuppertal schien dann doch perfekt. Eigentlich geht es in dem Film gar nicht richtig um MS. Also es wird nicht im Detail erklärt, um welche Art Krankheit es sich handelt. Also im medizinischen Sinne. Eher so für normale Menschen. In ein paar Nebensätzen werden die wichtigsten Fakten genannt. Aber hauptsächlich geht es um eine junge Frau, die mitten im Leben steht, und gezwungen wird, alle Pläne zu ändern. Und die über eine Leinwand läuft und meine Gedanken ausspricht. Sie teilt meine Ängste, meine Bedenken aber auch meine Hoffnungen. Ein wirklich verrücktes Gefühl. Was mich aber am meisten begeistert hat, waren die Momente, in denen es Sabine Marina schafft, Emotionen, die nur die Menschen erlebt haben, die das gleiche durchgemacht haben wie sie, zu transportieren. Dafür benutzt sie eindrucksvolle Bilder, die in mir ausgelöst haben, dass ich mich verstanden gefühlt habe, und bei einem Gesunden die Frage aufwerfen: „So also fühlt sich das an?“ In dem Film werden auch andere Menschen vorgstellt, die die unterschiedlichsten Krankheitsverläufe der MS haben. So, wird einem die MS doch näher gebracht, ohne, dass man die Krankheit genau kennt. Aber alle haben eins gemeinsam. Keiner von ihnen gibt auf. Auch, wenn nicht alle die klassischen Medikamente nehmen, auch, wenn manche schwerer getroffen sind als andere, auch, wenn alle bestätigen, dass die MS sie in ihrem Leben einschränkt, jeder von ihnen hat einen Weg gefunden, die eigene MS anzunehmen. Und oft wird betont, dass die Krankheit sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise bereichert hat. Alle sind sich im Klaren darüber, dass sie ein mieses Los gezogen haben. Keiner kann uns sagen wie lange es noch bergauf geht, oder wie schnell es bergab gehen wird. Keiner kann uns sagen, welche Ausmaße die Krankheit haben wird. Vielleicht lebt man noch zehn Jahre ohne größere Beschwerden, vielleicht kann man aber in fünf Jahren auch schon nicht mehr laufen. Trotzdem haben alle vorgestellten Erkrankten ihre Erzählungen mit einem positiven Gedanken abgeschlossen. Und eben darum war der Film schlussendlich richtig gut. Er vermittelt eben, dass eine unheilbare Krankheit nicht der Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken und miesepetrig durch die Welt zu laufen. Sondern genau das Gegenteil, nämlich lieber jeden Moment auszukosten.

Am Ende geht es nicht darum, was wir durch die MS verloren haben. Sondern darum, was wir durch sie finden werden.

Allerliebste Grüße

Steffie

Stolz

Es ist also vollbracht. Vorgestern und gestern waren die Premiere und die zweite Vorstellung unseres Theaterstücks. Und ich muss sagen, ich bin extrem stolz auf mich. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich bis zur Premiere durchhalte. Denn auch, wenn es am Ende für den Zuschauer entspannt und stimmig aussieht, muss vorher eine Menge Arbeit investiert werden. Und weil wir für unser Stück quasi nur sechs Arbeitswochen hatten, war es eine Menge Arbeit in kurzer Zeit. Ich habe dem Probenplan zugestimmt, mit der Einschränkung, dass der Moment in der Probenzeit kommen kann, in dem ich schlapp mache. Und aus einem mir unerfindlichen Grund, gab es diesen Moment nicht. Ich habe an allen Proben teilnehmen können und habe unversehrt bis zum Schluss durchgehalten. 1:0 für Steffie. Unter dem Aspekt, dass ich also mit größter Disziplin, starkem Willen und viel Ausdauer an dieses Ziel gekommen bin, war es für mich umso schöner, unsere Arbeit präsentieren zu können. Und umso mehr, konnte ich meinen Theatermoment genießen. Wisst ihr, ganz davon abgesehen, dass ich Premieren sowieso gerne mag, hatte ich diesmal ein Gefühl von Überlegenheit. Natürlich gehen andere neben solcher Proben noch acht Stunden am Tag arbeiten, schmeißen einen Haushalt und haben eine Familie, die sie versorgen müssen. Aber in Anbetracht der mir zur Verfügung stehenden Ressourcen, habe ich gewonnen. Klar, war unsere Wohnung in der Endprobenphase ein einziges Chaos. Klar, habe ich außer Proben und Schlafen nicht viel anderes gemacht. Klar, musste mich der allerbeste Ehemann bei vielem unterstützen (Danke dafür!). Klar, waren gerade Schulferien und ich musste glücklicherweise nicht arbeiten. Aber trotzdem. Ich war stärker. Und vielleicht hat mir die Liebe zum Theaterspielen geholfen, stark zu bleiben. Vielleicht die Verantwortung gegenüber der Gruppe. Vielleicht auch die Möglichkeit, dass ich einfach mal vergessen konnte, dass ich krank bin. Vielleicht war es aber auch einfach eine Verkettung glücklicher Umstände. Egal, was es war, ich bin froh, dass es geklappt hat.

Natürlich habe ich die Gelegenheit direkt genutzt, noch einen Bucketlist-Punkt abzuhaken.

Champagner trinken

Hab ich nämlich noch nie. Jetzt schon. Vielleicht bleib ich aber besser bei Sekt. Der Champagner war ganz schön herb. Oder ich muss nochmal einen drauf setzten und das so machen wie Julia Roberts in Pretty Woman. Champagner mit Erdbeeren. Vielleicht geht das besser. Auf jeden Fall hat es eine Mitspielerin möglich gemacht, dass dieser Punkt erledigt ist. Danke.

Allerliebste Grüße

Steffie

Müde, aber glücklich

Ihr habt lange nichts von mir gehört. Ich habe Unistress. Stress ist nicht gut, aber momentan kann ich ihn irgendwie schlecht vermeiden. Aber ich kann ihm entgegenwirken. Theatern. Momentan gibt es endlich wieder viele Proben. Und viele echte Proben. Ich habe heute bemerkt, dass ich eigentlich schon sehr lange nicht mehr richtig theatert habe. Denn heute habe ich so richtig theatert. Wir gehen mit einer raschen Geschwindigkeit auf die Premiere zu. Ich hoffe, ich kann euch ein bisschen näher bringen, was mich am Theatern so begeistert. Kennt ihr das Gefühl, wenn man träumt, und sich selbst von oben betrachtet? So ist für mich theatern. Einmal raus aus dem Körper und schauen, was so in einem steckt. Und ich habe mich heute mehr als einmal gefreut, was da noch so an schauspielerischem Können vorhanden ist. (Ist wirklich schon lange her.) Und vor allem hat mich gefreut, dass ich oft aus meinem Körper raus durfte und Gefühle durchleben durfte, die ich bewusst hervorgerufen habe. Mich hat schon immer am Schauspielern fasziniert, dass man jemand anders sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Und seit dem ich krank bin, ist es umso schöner, wenn man mal kurz jemand anders sein kann. Und ich sage euch, ich war eben vier Stunden theatern. Und ich war vier Stunden gesund. Okay, ich hab meinen Körper am Ende mehr denn je gemerkt, weil vier Stunden Probe am Stück ist so ne Sache mit MS, aber egal, ich kann jetzt lange schlafen. Und immerhin war ich so euphorisch, dass ich euch direkt davon berichten musste wie glücklich ich gerade gestimmt bin.

Allerliebste Grüße

Steffie

Und jetzt? Zukunft!

Ich glaube ja, dass die MS weniger gut funktioniert, wenn man ab und zu seinen Kopf „resetet“. Aber ich glaube auch, dass dafür jeder seine eigene Methode finden muss. Ich habe ein paar Methoden. Ein schöner Film, schwimmen gehen oder ein gutes Buch. Alles Dinge, die meinen Kopf kurzfristig entspannen und ihn für neue Anstrengungen fit machen. Aber ein absoluter Garant für Kopfdurchpusten ist bei mir das Theater. Schon lange zähle ich mich zu den Theatermenschen. Mit 13 Jahren habe ich angefangen in der Theater AG meiner damaligen Schule zu spielen und bis heute lässt mich es mich nicht los. Nur hat sich die Bühne gewechselt und ist heute die des Theaters Oberhausen. Geändert hat sich dadurch nichts. Dieser kurze Adrenalinstoß ist für mich wie ein Lebenselexier. Ich muss zugeben, dass mir das Theatern in der Anfangszeit meiner Krankheit nicht immer leicht gefallen ist. Ich musste für einige Zeit pausieren. Aber genauso heilsam wie das Spielen ist auch das Theater Gucken. Zwei Stunden, die mich packen, mitnehmen und erst nach ewigem Durchdenken des Gesehenen wieder loslassen.

Und so saß ich vor geraumer Zeit in der Produktion einer anderen Laiengruppe des Theaters. Es handelte es sich um die Gruppe der Jugendlichen. Schon als man hereinkam, konnte man die aufgeregte Stimmung spüren. Das Adrenalin schwirrte quasi durch die Luft. Und ließ mich lächelnd in der ersten Reihe sitzen. Das Stück war nicht lang, aber berührte mich auf vielen Ebenen. 21 Jugendliche stehen auf der Bühne geben ihr Leben in Stichworten nach Jahren sortiert wieder. Die Reise beginnt in dem Geburtsjahr des ältesten Mitgliedes der Gruppe. Es fallen Sätze wie „2000: ich werde geboren.“ „2005: ich komme in den Kindergarten.“. Man bekommt einen schnellen Einblick in einen Lebensverlauf bis zum aktuellen Jahr 2015. Und was passiert dann? Richtig, die Jugendlichen sehen in die Zukunft. Wagen einen Blick darauf, was passieren könnte. Und dabei geht es nicht nur um die Ideen, was mit der Welt passieren könnte (Zombieapokalypse, Leben im Weltall, Forschung), sondern auch um die persönlichen Entwicklungen. Und dann fiel ein Satz und das Stück hatte mich vollständig: „Ich bin glücklich.“ Eigentlich bin ich ja kein Freund von der Überlegung, was passieren könnte. Denn ich glaube, vieles passiert, ohne dass wir Einfluss haben. Aber eben doch nicht alles. Denn wir haben es selber in der Hand. Wir können selber entscheiden, ob wir irgendwann in unserem Leben sagen können, dass wir glücklich sind. Egal wie die äußeren Umstände sind, wir können dafür sorgen, dass wir trotzdem das Beste daraus machen. Und ich finde, jeden Tag sollte das Ziel sein, abends sagen zu können, dass es ein guter Tag war.

In diesem Sinne: seid glücklich!

Allerliebste Grüße

Steffie