Fünf Säulen

Seit ein paar Monaten nehme ich keine Medikamente mehr. Wieso und weshalb werde ich hier an anderer Stelle erklären, für heute muss die Tatsache reichen, dass ich es mache. Seit dem ist für mich an erster Stelle, auf mich aufzupassen. Ich hatte damit gerechnet, dass eine Reihe Schübe auf mich einprasseln. Bisher, und ich habe auch nicht das Gefühl, dass sich das ändert, bin ich verschont geblieben. Und jetzt kommt das große Aber. Ich investiere eine Menge, damit es mir gut geht. Dafür habe ich ein Konzept entwickelt, das auf fünf Säulen steht.

  1. Sport – Ich gehe mindestens zwei mal die Woche zur Physio. Zu den 45 Minuten Crosstrainer kombiniere ich den Muskelaufbau der unterschiedlichsten Muskelgruppen. Erst vor zwei Wochen wurde dieses Training noch um zwei neue Übungen erweitert. Mein Physiotherapeut passt gut auf, dass ich nicht zu viel machen will und gibt mir das Gefühl, dass er kontrolliert, wie oft ich trainiere. So traue ich mich nicht, zu schludern. Außerdem hat er Gleichgewichtsübungen in mein Trainingsprogramm aufgenommen. Irgendwann werde ich ihn dabei voll abziehen. Mittlerweile bin ich gut 2,5 Stunden in der Physiopraxis und kümmere mich um meine Fitness.
  2. Craniosacraltherapie – Einmal die Woche besuche ich einen Osteopathen, der mir den Kopf zurecht rückt. Durch gezielte Griffe werden meine Schädelplatten hin- und hergeschoben. Das hört sich komisch an, fühlt sich aber tatsächlich ziemlich gut an. Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile habe ich mich gewöhnt. Es ist eine Vertrauensache, den eigenen Kopf in die Hände von jemandem anderes zu legen. Aber jetzt freue ich mich jede Woche auf den Termin. Der Sinn der Sache ist, dass das Nervenwasser durch das leichte Verschieben der Schädelteile wieder besser fließen kann. Und unvorstellbar, aber ich kann den Unterschied fühlen.
  3. Low Carb – Ich habe meine Ernährung fast gänzlich umgestellt. Ich verzichte fast komplett auf Kohlenhydrate. Ursprünglich hatte ich damit angefangen, weil ich ein bisschen abnehmen wollte. Der Gedanke dabei war, dass ich gar nicht mehr so viele Kohlenhydrate brauche wie früher, als ich noch viel gearbeitet habe. Jetzt habe ich mehrere Berichte gelesen und gesehen, dass diese Ernährung bei MS Erkrankten sehr hilfreich sein soll. Die Idee dabei ist, dass die Zellen im Gehirn nicht mit Zucker versorgt werden sollen, sondern lieber mit Ketonen, die aus guten Fetten in der Leber produziert werden. Damit laufen die Zellen besser und Entzündungsprozesse werden nicht unterstützt. Außerdem verzichte ich fast vollständig auf Alkohol. Das ärgert mich ein bisschen, weil ich gerne ein Glas Wein trinke, aber ich bemerke, dass es mir am Tag darauf merkbar weniger gut geht. Also lasse ich es und reduziere es auf wenige Momente, in denen ich mir ein Gläschen gönne. Und dann meist auch noch gestreckten Alkohol. Weinschorle geht halt auch.
  4. Stressverringerung – Ich halte jegliche Art von Stress von mir weg. Ich mache nur noch, was mir gut tut, und ich umgebe mich nur noch mit Menschen, die mir gut tun. Ich grenze mich von Problemen anderer ab, lasse mich in keine Probleme mehr hineinziehen. Ich relativiere, was relativiert gehört. Wenn man den meisten Dingen nicht mehr so viel Gewicht beimisst, bleibt das eigene Leben leicht.
  5. Nahrungsergänzung – Ich nehme mittlerweile viele Nährstoffe über Nahrungsergänzungsmittel ein. Habe ich früher nie drüber nachgedacht, aber MS Erkrankten wird dazu geraten, das ein oder andere einzunehmen. Das mache ich. Zum einen Magnesium und zum anderen Vitamine, allen voran Vitamin D. Bei vielen MS Erkrankten wird ein Mangel an Vitamin D festgestellt. Ich weiß nicht, ob ich einen Mangel habe, aber ich beuge einfach mal vor.

Diese fünf Säulen funktionieren für mich hervorragend. Das erste Mal seit drei Jahren kann ich wirklich sagen, dass es mir gut geht. Ein völlig neues Gefühl, aber es ist toll. Was mich nun schlussendlich schubfrei hält, weiß ich nicht. Mein Physiotherapeut auch nicht, genauso wenig wie meine Neurologin. Aber was es auch ist, ich werde nichts mehr von all dem sein lassen. Vielleicht greift auch alles ineinander. Ich kann es wirklich nicht sagen.

Allerliebste Grüße

Steffie

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