Grenzen

Die Wochen fliegen nur so vorbei. Ich komme gar nicht mehr mit. Amelie ist mittlerweile fast 17 Wochen alt und ich frage mich, wo eben diese hin sind. Jeden Tag überschreite ich mit ihr Grenzen. Manchmal Grenzen der Müdigkeit, manchmal Grenzen der Geduld, manchmal Grenzen der Schmerzen. Meistens aber überfüllt sie mein Herz mit Liebe. Jede vorher dort gedachte Grenze, wird gesprengt. Ich schaue in meine eigenen Augen, die mich so verliebt anschauen, dass mir mein Herz schmilzt. Ich bin für einen anderen Menschen die Welt. Und das ist nicht nur so daher gesagt. Dieses kleine Mädchen schaut mich an und in ihren Augen ist nichts als bedingungslose Liebe. Und dann vergesse ich Müdigkeit, Grenzen der Geduld und alle Schmerzen. Und wenn dieser kleine Mensch wieder nicht schlafen kann, laufe ich auch das zehnte Mal so lange durch die Wohnung, bis sie in meinen Armen einschläft. Auch, wenn meine Füße wegen all der verhärteten Muskeln schmerzen.

Auch fordert mein Kind, dass ich wieder fremden Menschen erzählen muss, dass ich MS habe. Wenn ich mit ihr beim Babyschwimmen stehe und die Kursleiterin nach körperlichen Einschränkungen der Eltern fragt, um sicher zu gehen, dass sie mit ihren Kindern ins Wasser können. „Ach ja, da war ja was.“ Und doch, irgendwas ist da anders. Mit jeder neuen Herausforderung werde ich ein kleines bisschen stärker. Ich schaffe das. Ich bin nicht mehr das zerbrechliche Geschöpf, das vor Anstrengung zurückschreckt. Auch, wenn ich in der Nacht beim Füttern die Flasche loslasse, weil ich vor lauter Müdigkeit einschlafe. Dafür, dass ich dann wieder wach werde und weiter füttere, bleibt Amelie dann am Morgen geduldig ruhig, bis ich meinen Kaffee habe. Manchmal weiß ich nicht, wie wir die Tage schaffen, aber irgendwie klappt alles immer. Wir sind ein gutes Team. Und ich bin überzeugt davon, dass wir immer besser werden. Eines Tages wird Amelie alt genug sein, um zu verstehen, dass ich manchmal ein bisschen mehr Ruhe brauche. Und ich glaube fest daran, dass alles, was sie bis dahin von mir fordert, dafür da ist, dass ich stärker werde. Und lerne, dass ich doch mehr schaffen kann, als ich dachte. Sie arbeitet mit dem, was ich als Grundlage geschaffen habe und holt heraus, was sie braucht. Und ich kann es ihr geben. Mit einer Selbstverständlichkeit, die ich so nie erwartet hätte.

Allerliebste Grüße

Steffie

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