Je ne comprends pas…

IMAG3295Der allerbeste Ehemann und ich brauchten Urlaub. Aber, wenn man die Heimat während der Vorweihnachtszeit für eine Woche verlässt, dann ist man raus. Man verliert den Anschluss und vor allem wichtige Zeit, die man komischerweise vor Weihnachten braucht. Ich weiß nicht, was in dieser Zeit anders ist. Ich verstehe nicht, wieso sich der Takt auf einmal ändert und man so einem bescheuerten Zeitdruck ausgeliefert ist. Nun ja, eine Woche war dann doch zu lang, aber ein Wochenende ist doch vertretbar. So haben wir uns knappe drei Tage in der Pfalz aufgehalten. Und eigentlich auch wieder nicht. Wir waren in einem kleinen Hotel in Pirmasens untergebracht, in dem es tolle alte Möbel gab. Ein alter Schrank, den der allerbeste Ehemann so kommentierte: „Hinter den Mänteln ist bestimmt Narnia.“ Und genau so, sah auch der Rest des Zimmers aus. Aber viel haben wir uns da eh nicht aufgehalten. Wir kamen Freitag gegen Mittag an und sind nach einem kurzen Einchecken direkt wieder ins Auto gestiegen. Auf nach Strasbourg. Ich war bereits vor ca einem dreiviertel Jahr dort gewesen und damals hat mich die Stadt so begeistert, dass ich sie unbedingt dem allerbesten Ehemann zeigen wollte. Also: nochmal hin. Scheinbar gibt es keine direkte Autobahnverbindung von Pirmasens nach Strasbourg, sodass unser Navi uns ca eine Stunde lang durch wunderschöne französische Dörfer leitete. Es war atemberaubend. Obwohl das Wetter morgens alles andere als schön war, klärte es langsam auf und ich konnte all die Wunderbarkeiten draußen vor meinem Fenster bestaunen. Ich bin froh, dass es keine Autobahn gibt.

Strasbourg an sich brauchte sich nicht eine Minute anzustrengen und es hatte mich wieder. Diese charmante Innenstadt, die eigentlich ziemlich groß ist, aber eben doch wieder nicht, weil sie in viele Einzelteile zerlegt ist, die durch niedliche kleine Gassen verbunden sind. Dann die beeindruckende Kathedrale, die auf einmal auftaucht, wenn man um eine Ecke geht, und sich quasi vor einen stellt. Welche ich übrigens dieses mal auch von innen gesehen habe. Die Buntglasfenster sind wirklich sehenswert. Besonders an dieser Stelle zu erwähnen, ist der Strasbourger Weihnachtsmarkt. In meiner Vorstellung war er riesig. In der Realität war er tatsächlich riesig, aber irgendwie auch nicht. Auch der Weihnachtsmarkt erstreckt sich nicht in einem Mal über die gesamte Innenstadt. Immer wieder gab es an der ein oder anderen Stelle ein Stück Weihnachtsmarkt. Aber eben die kleinen Gassen, die die Innenstadt miteinander verbinden, waren so geschmackvoll beleuchtet, dass sogar ich, Grinch, Gefallen daran gefunden habe. Ansonsten eignet sich Frankreich im Allgemeinen sehr zum Naschen, weswegen wir der Boulangerie et Pâtisserie Paul natürlich einen Besuch abgestattet haben, bei dem ich eine Tartelette citron und der allerbeste Ehemann eine Tartelette chocolat abbekommen haben. Allein diese Tartelettes wären ein Grund immer wieder dorthin zu fahren.

Am nächsten Tag haben wir uns dann auch Deutschland mal ein bisschen angeschaut. Bisher hatte ich Rheinland Pfalz noch nie besucht. Selbst Schuld würde ich sagen. Schon um zehn Uhr haben wir uns auf den Weg nach Landau gemacht. Auf dem Weg bot uns die Landschaft eine atemberaubende Kulisse. Dichter Nebel stand in den Wäldern und die Sonne versuchte krampfhaft, sich durch ihn durch zu schieben. Alle Versuche, dieses Schauspiel mit der Kamera angemessen einzufangen, sind gescheitert. Also wenn, dann müsst ihr selbst hinfahren und hoffen, dass sich dieses Schauspiel euch auch bietet. Landau an sich ist eine niedliche kleine Stadt, mit einem hübschen Stadtkern und einem süßen Weihnachtsmarkt. Länger als drei Stunden waren wir aber nicht da. Nachmittags waren wir dann noch in Hauenstein, der Schuhstadt. Ein Schuhladen neben dem anderen, das sogar mein Herz ein bisschen höher geschlagen hat. Und das, obwohl ich gar nicht so sehr auf Schuhe stehe. Den Tag haben wir dann aber etwas früher ausklingen lassen, als den zuvor, weil ich einfach mal eine Pause brauchte und, weil wir am nächsten Tag noch Großes vor hatten.IMAG3280Auf unserer Reise nach Strasbourg kamen wir in einem kleinen französischen Dorf vorbei, in dem eine riesige Anlage aus Stein stand. Bestimmt 80 Meter hoch ragte sie auf einem Berg zwischen den Häusern heraus. Ich steh ja auf sowas. Ich will wissen, was das ist. Ich will drauf und runterschauen. Ich will wissen, wofür es früher genutzt wurde. Also planten wir einen Ausflug dorthin. Eine knappe halbe Stunde von Pirmasens entfernt, bot es sich an, das Gebäude (zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, es sei eine Burg) vor der Rückfahrt am Sonntagmorgen zu besuchen. Eine kurze Recherche im Internet ergab dann, dass sich um die Citadelle de Bitche handelt. Also keine Burg, sondern die letzte Möglichkeit der Bewohner eines Dorfes, sich im Falle eines Angriffs zu schützen. Die Citadelle de Bitche ist auf einem Berg errichtet und ihre Wände sind gute 40 Meter hoch. Dadurch kommt die Gesamthöhe von 80 Metern zusammen. Im Berg befinden sich Räumlichkeiten, die bombensicher angelegt wurden. Im 12. Jahrhundert wurde die Citadelle de Bitche das erste mal erwähnt, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie gute 900 Jahre alt ist.Irgendwie macht es diesen ganzen Bau noch gewaltiger. Die Citadelle de Bitche ist mehr als 350 Meter lang und zwischen 30 und 60 Meter breit. Die Wände sind mehr als einen Meter dick. Der Bau muss unvorstellbar anstrengend gewesen sein. Beeindruckend war dann auch die Aussicht. Am Horizont die Nordvogesen und direkt unter einem das Dörfchen Bitche. Ein paar Minuten bin ich ganz allein über die Citadelle de Bitche gelaufen. Es war ganz ruhig und nur der Wind hat einen durchgepustet. Es war, als würde die Zeit still stehen.

Wir hatten Glück und gerade an diesem Wochenende fand in der Citadelle de Bitche ein Nikolausevent statt. Es gab einen kleinen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt und eine Führung durch die Räumlichkeiten der Citadelle de Bitche. Scheinbar das gesamte Dorf hatte sich in der Citadelle de Bitch versammelt, um an dem Schauspiel im Inneren der Citadelle de Bitche teilzunehmen. In jedem Raum erwarteten uns andere Geschichten, die von Leuten dargestellt wurden. Man führte uns durch Räume, die mit immer anderem Datum der Vorweihnachtszeit versehen wurden, immer näher an Weihnachten heran. So kamen wir durch eine Schneelandschaft in die Backstuben (, in denen altertümlich Plätzchen gebacken wurden), durch den Weinkeller zum Metzgermeister (, wo uns die Geschichte des Nikolauses erzählt wurde), durch einen Weihnachtswald zu einem kleinen Kino (, in dem ein Film vom Weihnachtsmann abgespielt wurde), zu einer alten Dame (, die uns eine Weihnachtsgeschichte vorlas), in ein Kinderzimmer (, in dem ein Mädchen einen Brief an den Weihnachtsmann verfasste) und schlussendlich in die Spielzeugmacherei des Weihnachtsmann, aus der man uns lautstark entließ. Bei all dem wurde man wirklich großartig unterhalten und es gab für mich nur ein Problem: Je ne comprends pas… Ich muss dringend mein Französisch aufbessern, wenn ich öfter nach Frankreich möchte. Und das möchte ich unbedingt.IMAG3292

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