Preis

Bei allem, was ich gerade mache, überlege ich, ob es spannend genug ist, euch davon zu erzählen. Tatsächlich war bisher nichts spannend genug. Ich arbeite an meinen Unisachen, ich lackiere mir die Nägel, ich pflanze Blumen, ich malere, ich lese, ich stricke, ich schaue Serien. Und dort höre ich einen Satz:

If you knew this was your last day on earth how would you want to spend it?

Und ich stelle mich in Frage. Ich stelle alles, was ich mache in Frage. Ich überlege hin und her. Ich überlege, was ich mir wünsche. Was ich mir für mich vorstelle. Wo ich hin will. Wie ich mein Leben leben will. Und ich komme zu dem Schluss, dass ich jeden verdammten Tag genau so lebe, dass es kein Problem wäre, wenn es der Letzte wäre. Irgendwie ist das ein komisches Gefühl. Ich habe nichts zu ändern. Sollte man versuchen noch mehr zu wollen? Ich bin nicht der Mensch, der sich darauf ausruht, dass er etwas erreicht hat. Vielleicht sollte man die Maßstäbe neu definieren. Aber soll ich euch was sagen? Ich habe die fiese Befürchtung, dass ich den „kleinen“ Unistress mit einem Schub bezahlen werde. Wie entscheide ich, was wieviel wert ist? Wie entscheide ich, ob ich etwas durchziehen sollte? Wie entscheide ich, ob etwas soviel wert ist, dass ich dafür mit einem Schub bezahle? Es ist unendlich unfair, dass ich in meinem Leben endlich an dem Punkt angekommen bin, an dem ich sagen kann, dass ich es vollständig auskoste. Und gleichzeitig an einer Stelle stehe, in der ich gezwungen bin, ständig abzuwägen, ob ich mir überhaupt erlauben kann, mein Leben vollständig auszukosten. Aber manchmal, manchmal da haben Dinge einen hohen Preis. Wer weiß, vielleicht sehe ich es irgendwann anders, wenn ich mehr verloren haben werde als heute. Aber heute zahle ich den hohen Preis noch. Sogar sehr gerne. Wenn ich jetzt schon anfangen würde, alle Entscheidungen mit Angst zu treffen, würde ich nicht mehr studieren, nie wieder malern und auch nicht mehr unterrichten. Ich würde nichts mehr tun, weil ich keine Ziele mehr hätte, für die ich etwas tun müsste. Ich würde jeden Wunsch im Keim ersticken, weil irgendwo immer das Risiko steckt. Und dann? Genau.

Allerliebste Grüße

Steffie

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