Problemchen

Da ich zur Zeit hauptsächlich damit beschäftigt bin, zu studieren, gibt es heute ein größeres Stück Vergangenheit und ein kleineres Stück Gegenwart.

Ich war nie ein Mensch, der sich gerne mit Problemchen beschäftigt hat. Berufsbedingt war ich öfter Teil einer Männergruppe als Teil einer Frauengruppe. Ich will nicht Klischees bedienen, aber ich habe festgestellt, dass sich Männer allgemein eher weniger mit Problemchen auseinandersetzen (wollen). Sie sind da wesentlich einfacher gestrickt (verzeiht mir, liebe Männer) als Frauen. Für mich persönlich ist die Sache mit dem einfacher gestrickt nichts negatives. Ich finde es toll, wenn man mich offen mit einer Sache konfrontiert, anstatt sie hinter meinem Rücken ohne mich aus zu diskutieren. „Steffie, du nervst!“ finde ich tausend mal besser als komisches Rumgedruckse. Nun schätze ich mich persönlich auch als Person ein, die ganz gut mit Kritik umgehen kann. Vor allem aber, schätze ich mich als Person ein, die sehr viel Verständnis für andere haben kann, wenn ich es denn will. Dafür verlange ich nicht viel, nur Ehrlichkeit. Manchmal bin auch erstmal sauer, aber meist muss ich einfach eine Nacht drüber schlafen. Dann habe ich mich in die andere Person hineinversetzt und kann leicht nachvollziehen, warum sie handelt, wie sie handelt und wieso sie sagt, was sie sagt. Gerade in den letzten Jahren ist mir aufgefallen wie wichtig es ist, dass man Problemchen vermeidet. Sie machen unnötig Stress, sie machen Streit, sie stiften Unruhe. Und ich sage extra immer Problemchen, denn ich meine wirklich die Dinge, die damit gelöst werden könnten, dass man einfach den Mund aufmacht und sagt, was los ist. Nun ist es aber so, dass ich neuerdings beobachte, dass sich um mich herum ein neuer Problemkreis aufgetan hat. Ich habe nicht mehr nur die Probleme, die jeder andere Mensch auch hat, die Probleme, die man hat, wenn man eine unheilbare Krankheit diagnostiziert bekommt, sondern auch die Probleme, die damit einher gehen, wie man von seinen Mitmenschen behandelt wird. Und dabei rede ich nicht von den Problemen, die ich in der Uni oder bei der Arbeit habe. Ich rede von den Menschen in meinem Umfeld. Oft werden Entscheidungen getroffen, mir irgendetwas nicht zu erzählen, um mich nicht zu belasten. Oder mich zu schonen. Mit anderen Worten, mich in Watte zu packen. Eigentlich ist das ja nett. Anders gesehen läuft es darauf hinaus, dass ich davon doch erfahre und mich frage, warum mir das nicht schon längst erzählt wurde. Besonders schmerzhaft ist es, wenn man feststellt, dass man aus irgendeinem bestimmten Grund, scheinbar nicht mehr der Mensch ist, dem so etwas erzählt werden kann. Dass man ersetzt wurde. Um mich zu schonen. Sachlich betrachtet zählt das für mich zu den Problemchen. Würde alles sofort ausgesprochen, gäbe es gar kein Problem. Emotional betrachtet, ist es das schlimmste, was ein Mensch einem anderen antun kann. Aus dem Gedanken heraus, jemanden schonen zu wollen, obwohl dieser das gar nicht einfordert, zu verschweigen oder gar zu lügen. Und dann fällt es auch mir, die fast immer Verständnis für alles hat, schwer, nachzuvollziehen, was da gerade passiert ist.

Macht das bitte nicht. Sprecht aus, was es auszusprechen gibt. Sagt eurem Gegenüber, was euch stört. Sagt eurem Gegenüber aber bitte auch mindestens genauso oft, was ihr toll findet. Redet. Verschweigt nicht. Lügt nicht. Seid mit euch und euren Mitmenschen im Reinen. Man muss nur sprechen. Das, was vielleicht mal ein großes Problem werden kann, kann im Keim erstickt werden. Man muss nicht jemanden verletzt zurücklassen. Seid offen zueinander. Passt auf das auf, was ihr habt. Manchmal ist es schneller verloren, als man es denkt.

Allerliebste Grüße

Steffie

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