Schub

Leider musste ich eine etwas längere Pause machen, aber dafür erzähle ich euch was von mir. Nur von mir. Nichts von Bucketlisten und Rezepten und auch nichts von Urlauben und Weltentdeckungen.

Ich weiß nicht, wieviele von euch die MS kennen, aber von Zeit zu Zeit schenkt sie mir das wahllose Vergnügen (und aus spricht maßloser tiefer schwarzer Humor) ins Krankenhaus zu dürfen. Ein neuer Schub hat mich auch diesmal wieder dazu gezwungen. Es fing letzte Woche an und bescherte mir ein nicht funktionierendes rechtes Auge. Da man aber 24 Stunden mindestens das gleiche Symptom haben muss, wartete ich erstmal ab. Meistens warte ich 72 Stunden ab, der Mensch soll ja optimistisch bleiben. Als sich das Ganze am Donnerstag zu Doppelbildern steigerte und ich parallel auch noch vom Fatigue-Symptom heimgesucht wurde, dachte ich, dass es dann wohl doch ein Schub sei. Wer das Fatigue-Symptom nicht kennt: wäre ich noch ein Teenager, würde es gar nicht auffallen. Man ist immer müde. Aber der Unterschied zum Teenager ist, dass man sooooo müde ist, dass man einfach nach dem Schlafen weiterschläft. Und danach auch noch mal. Also schlafe ich an diesen Tagen. Oder ich gähne. Denn es ist nicht müde wie ich es von früher kenne. Es ist ungefähr so müde, wie wenn man 30 Stunden nicht geschlafen hat. Und das auch, obwohl man geschlafen hat. Sehr spannend.

Nun gut. Jetzt lieg ich hier rum. Und darf 1000 mg Cortison am Tag zu mir nehmen. Das Cortison an sich wäre schon einen eigenen Beitrag Wert. Aber ich habe entschieden, dass ich dem Teufelszeug das nicht gönne. Rein medizinisch gesehen stoppt es die Entzündungsvorgänge der MS. Rein aus meiner Sicht, hat es sich dazu entschieden mich innerhalb von nur fünf Tagen zu plätten. Nehme ich es ein, wechsel ich zwischen allen nur möglichen gefühlten Körpertemperaturen und meine Nerven sind zum Reißen gespannt, denn stellt euch mal vor, euer Chef nervt euch. So richtig. Ihr seid richtig im Stress und habt eigentlich schon die Schnauze voll und er nervt immer weiter und gibt euch immer mehr Arbeit, die am besten schon gestern fertig gewesen sein soll. Ungefähr so fühle ich mich, nur dass ich in Jogginghose, Top und Strickjacke im Bett liege. Also eigentlich kein bisschen gestresst bin. Nehme ich es aber dann gerade nicht ein, sagt mein Körper: „Hey, gib mir doch mehr davon, das war lustig.“ „Ja, lustig, haha. Ich kann mich kaum halten.“ Auch das ist spannend.

Und dann, um das nicht zu vergessen, was passiert (daran versuche ich noch nicht zu denken), wenn mein Körper fünf Tage den Kram bekommen hat und dann, ja richtig, gar nicht mehr, dann kann so ein Körper ganz schön zickig werden. Ich muss zugeben, er und ich, also mein Körper und ich, haben während dieser Zeit immer diverse Diskrepanzen. Aber ich erspare euch an dieser Stelle, all die grusligen Details dazu. Stellt euch einfach nen Horrorfilm vor, hin und wieder auch einen Thriller, aber glücklicherweise manchmal auch nur nen Krimi. Aber, wenn das alles überstanden ist, er sich daran gewöhnt hat, dass es kein neues Cortison gibt und mich deshalb trotzdem langsam wieder mag, dann wird alles wieder gut.

Also, falls ihr wieder eine Zeit lang nichts von mir hört, ich lieg hier so rum, vielleicht gerade im Wechselbad der Gefühle, oder im Horrorfilm. Aber ich gelobe Besserung.

Allerliebste Grüße

Steffie

One thought on “Schub

  1. Hatte immer gedacht, unsere Krankheiten seien so verschieden und ich könnte nicht nachvollziehen, wie du fühlen musst. Aber Fatigue kenne ich durch die Krebstherapie dann doch sehr gut, genauso wie hochdosiertes Cortison. Da waren mir die Nebenwirkungen dann irgendwann so verhasst dass ich lieber die Übelkeit in Kauf genommen habe. Und zur Fatigue wurde mir gesagt, dass mich schlafen nur noch schlapper werden liesse und ich dann nachts nicht mehr schlafen könnte, also bin ich wie ein Zombie durch den Wald nebenan geschlurft und habe gehofft nicht umzukippen.
    Ich hoffe sehr dass es dir bald wieder besser geht! Und wenn ich dann gleich von meiner Bestrahlung heimkomme und die Augen kaum offen halten kann versuche ich, deine Sichtweise anzunehmen und Fatigue als spannend anzunehmen, vielleicht macht es das tatsächlich leichter als sich dagegen zu wehren 🙂
    Alles Liebe, Annette

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