Schwanger mit MS

Da hat einfach das Jahr gewechselt. Ohne sentimentale Rückblicke auf das letzte Jahr und ohne mulmigem Gefühl wegen des kommenden Jahres. Einfach so ist das eine in das andere über gegangen und ich habe mich einfach nicht anders gefühlt. Keine Angst. Keine Sorge. Keine Reue. Keine Trauer. Kein komisches Bauchgefühl. Einfach ich bei mir und in mir. Und es war wunderschön. So entspannend. Die Kombination aus einem Jahr unermüdlicher Arbeit an mir selbst und diesem kleinen Babymenschen in mir haben es endlich geschafft, dass ich alle negativen Gefühle aus mir verbannt habe. Und dann war Neujahr auch schon wieder vorbei. Noch nicht mal an meinen Halbjahrestag am 28. November habe ich gedacht. Fast nicht zu glauben. Scheinbar habe ich alles richtig gemacht. Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt jemals ein Kind kriegen werde. Direkt nach der Diagnose war ich mir sehr lange sehr sicher, dass ich niemals eins bekommen werde. Mir dessen sicher, habe ich mich erstmal um die offensichtlichen Baustellen gekümmert. Mich selbst. Mein seelisches und körperliches Befinden. Nach mühsamer und harter Arbeit, hatte ich mich nach langer Zeit so weit, dass ich zumindest das Gefühl hatte, dass ich über ein Kind nachdenken kann. Und nach noch ein bisschen mehr Zeit war ich mir sicher, dass ich mir auf jeden Fall ein Kind wünsche. Ich war so sehr mit mir selbst im Reinen, dass ich dachte, dass ich selbst mit MS eine bessere Mutter sein kann, als manch andere ohne Krankheit. Zumal ich dieses lästige Etwas auch endlich im Griff habe. Und nichts gibt einem mehr Motivation, als der Gedanke, für jemanden anderen gesund sein zu wollen, zusätzlich zu dem Gedanken, dass man für sich selbst gesund sein will. Und nun, nach der Hälfte meiner Schwangerschaft, stelle ich fest, dass die Entscheidung ein Kind zu kriegen, die Ergebnisse meiner mühsamen und harten Arbeit perfektioniert hat. Ich vergesse meine Krankheit. Ich vergesse sie einfach. Ich vergesse meine Krankengeschichte, die Zeiträume verschwimmen, die Schübe haben in meiner Erinnerung keine Symptome mehr. Ich bin ein scheinbar gesunder Mensch. Auf mich aufzupassen, ist nicht mehr nur eine Option, sondern meine Pflicht. Und sie zu erfüllen ist das einfachste, was ich jemals machen musste und durfte. Und nun blicke ich voller Zuversicht in die Zukunft. Ich habe keine Angst. Nicht vor der MS, nicht vor dem Leben mit einem Kind. Keiner kann mir sagen, ob mir in zwei Jahren ein Stein auf den Kopf fällt oder ich einen Schub haben werde, der mich in den Rollstuhl bringt. Keiner kann uns sagen, was auf uns wartet. Und Entscheidungen und Wünsche von möglichen Rückschlägen abhängig zu machen, ist völliger Irrsinn. Und das habe ich verstanden. Und so lebe ich auch.

Allerliebste Grüße

Steffie

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