Schweigen

Nachdem ich knapp dem Schub entkommen bin, lasse ich mein Leben an mir vorbei plätschern. Ich beschäftige mich viel mit mir selbst. Mein Balkon erstrahlt in allen Farben, meine Nägel sind ständig frisch lackiert, ich gehe sehr regelmäßig zur Physio und ich lackiere Stühle. Bei allem, was ich mache, rede ich kaum. Ich mag nicht reden. Ich habe das Gefühl, meine Kraft reicht genau dafür, mich mit mir auseinander zu setzen. Ab und zu treffe ich mich mit dem ein oder anderen Menschen. Aber meist bin ich daheim und schweige. Montag fängt die Uni wieder an und ich freue mich unendlich. Es ist schon alles vorbereitet, alle Hefter beschriftet, der Rucksack gepackt. Das ist sehr typisch für mich. Ich bin gern vorbereitet.

Außerdem habe ich Entscheidungen getroffen. In zwei Wochen werde ich vorerst das letzte Mal in der Schule arbeiten. Zugunsten meines Studiums werde ich dort erstmal pausieren. Diese Sache mit der Doppelbelastung funktioniert für mich nicht mehr. Also freue ich mich noch ein kleines bisschen mehr auf das kommende Semester. Meine einzige Aufgabe wird es sein, schlauer zu werden. Und das mache ich sehr gerne. Das Ganze werde ich mit einer ordentlichen Portion Physio kombinieren und hoffentlich zu einem inneren Gleichgewicht kommen. Das erste Mal musste ich eine Entscheidung treffen, die mein weiteres Leben wirklich beeinflusst. Aber genauso habe ich das erste Mal das Gefühl, dass es mir wirklich gut gehen könnte. Dass ich jeden Druck von mir nehme und mir erlaube, einfach machen zu können, was ich möchte. Nicht, dass ich nicht geliebt habe, in der Schule zu arbeiten, aber es nimmt doch ungemein Druck, wenn man nirgendwo mehr sein muss. Am aktuellen Zeitpunkt meines Lebens bin ich dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen. Der Aufgabe, zwei Dinge gleichzeitig zu bewältigen. Glücklicherweise habe ich den allerbesten Ehemann an meiner Seite, der mir ermöglicht, erst mein Studium zu beenden, um mich dann um den Rest kümmern zu können. Das weiß ich sehr zu schätzen und das hilft mir ungemein. Das Leben mit so einer Krankheit ist so viel einfacher, wenn man geliebt wird.

Allerliebste Grüße

Steffie

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