Sieg

Ich war diese Woche dreimal bei der Physio. Mein Körper hat sich etwas entspannt. Ich weiß nicht, in wie weit ihr wisst, was die MS so macht, aber ich sollte erzählen, dass MS nicht nur bedeutet, dass ich unregelmäßig Schübe bekomme. MS bedeutet auch, dass der Körper kontinuierlich kaputt geht. Auch, wenn es sehr langsam vor sich geht, es ist merkbar. Eines meiner Probleme sind verhärtete Muskeln. Füße, Beine, Hände und Arme. Dazu kommt leider, dass ich Sport hasse. Schon immer hasse. Und jetzt kommt das große Aber. Sport hilft, den Körper wieder in Schwung zu bringen. Glücklicherweise habe ich den besten Physiotherapeuten. Gemeinsam haben wir einen Weg gefunden, dass ich nur so viel Sport machen muss wie ich ertragen kann, aber genug, dass es mir hilft. Seit dem ich vor knapp drei Jahren damit angefangen habe, kann ich wirkliche Erfolge verzeichnen. So ein komisches Programm dokumentiert alle wichtigen Details meines Trainings und sagt mir, dass ich mit viel mehr Gewichten und viel schneller trainiere. Ich habe ganz langsam mehr Muskeln aufgebaut und jetzt schaffe ich durchschnittlich 60% mehr als am Anfang. Ich kann mich gut daran erinnern, dass kurz vor Weihnachten vor dem Bildschirm stand und das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, welche Erfolge ich zu verzeichnen habe. Irgendwie war ich überrascht. Ich sag’s ja, ich habe den besten Physiotherapeuten. Ich habe nicht wirklich mitbekommen, dass er so viel an den Gewichten gemacht hat. Cleveres Kerlchen.

Dazu kommt, dass ich mich vor knapp drei Jahren nicht getraut habe, Ausdauertraining zu machen. Ich hatte panische Angst, dass das einen Schub auslösen könnte. Aber ich habe mich eines besseren belehrt. Vor ca einem Jahr habe ich mich auf das Schwingschwanggerät getraut. Den Crosstrainer. Mit niedlichen zehn Minuten habe ich angefangen und bin auf einer niedrigen Stufe ca zwei Kilometer gecrosst (?). Und heute, heute an diesem denkwürdigen Tag, habe ich das erste Mal eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer verbracht und habe auf Stufe neun 7,2 Kilometer hinter mich gebracht. Ich sehe das als persönlichen Sieg. Woche für Woche habe ich die Stufe erhöht und zusätzlich die Dauer des Trainings verlängert und irgendwie ist es ein gutes Gefühl. Vielleicht ist Sport so. Aber für mich ist es der Beweis, dass der Kopf über den Körper siegen kann. Und davon abgesehen, merke ich nach und nach, dass sich meine Muskeln lockern. Heißt also, dass mir die Sache, die ich am meisten hasse, hilft. Das ist fies. Aber irgendwie ist das noch ein weiterer Beweis dafür, dass der Kopf siegt. Und ich bin froh, dass ich ein Mensch bin, der so ein lächerliches Gefühl wie Hass ignorieren kann. Mein Ziel sind 45 Minuten auf dem Crosstrainer. Dann werde ich anfangen den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Ich werde euch berichten.

Allerliebste Grüße

Steffie

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