Stolz

Es ist also vollbracht. Vorgestern und gestern waren die Premiere und die zweite Vorstellung unseres Theaterstücks. Und ich muss sagen, ich bin extrem stolz auf mich. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich bis zur Premiere durchhalte. Denn auch, wenn es am Ende für den Zuschauer entspannt und stimmig aussieht, muss vorher eine Menge Arbeit investiert werden. Und weil wir für unser Stück quasi nur sechs Arbeitswochen hatten, war es eine Menge Arbeit in kurzer Zeit. Ich habe dem Probenplan zugestimmt, mit der Einschränkung, dass der Moment in der Probenzeit kommen kann, in dem ich schlapp mache. Und aus einem mir unerfindlichen Grund, gab es diesen Moment nicht. Ich habe an allen Proben teilnehmen können und habe unversehrt bis zum Schluss durchgehalten. 1:0 für Steffie. Unter dem Aspekt, dass ich also mit größter Disziplin, starkem Willen und viel Ausdauer an dieses Ziel gekommen bin, war es für mich umso schöner, unsere Arbeit präsentieren zu können. Und umso mehr, konnte ich meinen Theatermoment genießen. Wisst ihr, ganz davon abgesehen, dass ich Premieren sowieso gerne mag, hatte ich diesmal ein Gefühl von Überlegenheit. Natürlich gehen andere neben solcher Proben noch acht Stunden am Tag arbeiten, schmeißen einen Haushalt und haben eine Familie, die sie versorgen müssen. Aber in Anbetracht der mir zur Verfügung stehenden Ressourcen, habe ich gewonnen. Klar, war unsere Wohnung in der Endprobenphase ein einziges Chaos. Klar, habe ich außer Proben und Schlafen nicht viel anderes gemacht. Klar, musste mich der allerbeste Ehemann bei vielem unterstützen (Danke dafür!). Klar, waren gerade Schulferien und ich musste glücklicherweise nicht arbeiten. Aber trotzdem. Ich war stärker. Und vielleicht hat mir die Liebe zum Theaterspielen geholfen, stark zu bleiben. Vielleicht die Verantwortung gegenüber der Gruppe. Vielleicht auch die Möglichkeit, dass ich einfach mal vergessen konnte, dass ich krank bin. Vielleicht war es aber auch einfach eine Verkettung glücklicher Umstände. Egal, was es war, ich bin froh, dass es geklappt hat.

Natürlich habe ich die Gelegenheit direkt genutzt, noch einen Bucketlist-Punkt abzuhaken.

Champagner trinken

Hab ich nämlich noch nie. Jetzt schon. Vielleicht bleib ich aber besser bei Sekt. Der Champagner war ganz schön herb. Oder ich muss nochmal einen drauf setzten und das so machen wie Julia Roberts in Pretty Woman. Champagner mit Erdbeeren. Vielleicht geht das besser. Auf jeden Fall hat es eine Mitspielerin möglich gemacht, dass dieser Punkt erledigt ist. Danke.

Allerliebste Grüße

Steffie

Müde, aber glücklich

Ihr habt lange nichts von mir gehört. Ich habe Unistress. Stress ist nicht gut, aber momentan kann ich ihn irgendwie schlecht vermeiden. Aber ich kann ihm entgegenwirken. Theatern. Momentan gibt es endlich wieder viele Proben. Und viele echte Proben. Ich habe heute bemerkt, dass ich eigentlich schon sehr lange nicht mehr richtig theatert habe. Denn heute habe ich so richtig theatert. Wir gehen mit einer raschen Geschwindigkeit auf die Premiere zu. Ich hoffe, ich kann euch ein bisschen näher bringen, was mich am Theatern so begeistert. Kennt ihr das Gefühl, wenn man träumt, und sich selbst von oben betrachtet? So ist für mich theatern. Einmal raus aus dem Körper und schauen, was so in einem steckt. Und ich habe mich heute mehr als einmal gefreut, was da noch so an schauspielerischem Können vorhanden ist. (Ist wirklich schon lange her.) Und vor allem hat mich gefreut, dass ich oft aus meinem Körper raus durfte und Gefühle durchleben durfte, die ich bewusst hervorgerufen habe. Mich hat schon immer am Schauspielern fasziniert, dass man jemand anders sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Und seit dem ich krank bin, ist es umso schöner, wenn man mal kurz jemand anders sein kann. Und ich sage euch, ich war eben vier Stunden theatern. Und ich war vier Stunden gesund. Okay, ich hab meinen Körper am Ende mehr denn je gemerkt, weil vier Stunden Probe am Stück ist so ne Sache mit MS, aber egal, ich kann jetzt lange schlafen. Und immerhin war ich so euphorisch, dass ich euch direkt davon berichten musste wie glücklich ich gerade gestimmt bin.

Allerliebste Grüße

Steffie