Kurzer Überblick

So Herrschaften, da bin ich wieder. Seit meinem letzten echten Beitrag hatte ich noch nicht wieder Zeit, einen vernünftigen Beitrag zu schreiben. Der allerbeste Ehemann und ich kamen aus Büsum wieder, kurz durchgeatmet, ein bisschen arbeiten und zack, waren wir schon wieder auf der Autobahn auf dem Weg nach Hamburg. Diesmal war die allerbeste kleine kleine Schwester auch dabei. Ich war bereits zweimal in Hamburg und hatte schon vieles angeschaut, aber diesmal habe ich Hamburg von einer anderen Seite kennengelernt. Wir waren in Blankenese und haben die ersten Sonnenstrahlen bei einem Kaffee am Strand der Elbe genossen. Ganz nebenbei kann ich Hamburg jetzt von der Bucketlist streichen.IMAG3594Wieder daheim angekommen gab es direkt das nächste Abenteuer: das allerbeste Patenkind zum ersten Mal im Theater. Im Theater Oberhausen gibt es doch tatsächlich ein Stück für kleine Kinder ab drei. Und hin mit dem Kind! Dieses hatte sichtlich Spaß und ließ sich nach dem Stück mit stolzem Grinsen im Bühnenbild fotografieren. Zum Abschluss gab es noch ein Eis. „Eis mit Banane.“ „Richtige Banane?“ “ Eis aus Banane. Und Banane.“ „Du möchtest richtige Banane auf deinem Eis?“ „Ja. Und Eis aus Banane.“ Ich finde toll, dass das allerbeste Patenkind jetzt sagen kann, was es möchte. Ist viel einfacher als früher. Die Bananen hab übrigens ich gegessen.

Seit gestern lebe ich mich wieder ein und war erstmal bei der Physio. Mir stehen drei sehr ruhige Wochen bevor. Drei Wochen und ein Tag. Ich arbeite mit viel Ehrgeiz an meinem Projekt für die Uni, damit ich schnell damit fertig werde und vielleicht noch ein bisschen Ferien haben werde. Ach ja, ein bisschen gemalert habe ich auch noch. Und werde ich auch noch. Besser als jede Ergotherapie. Ich mag, wenn routinierte Handgriffe funktionieren, ohne, dass ich alles durch die Gegend schmeiße. Vielleicht sollte ich wieder mehr malern.

Allerliebste Grüße

Steffie

Vergangenheit

Ich habe in meinem Schrank einen ganzen Satz alter Kassetten gefunden. Kassetten, die ich vor langer Zeit mühsam zusammengestellt habe, und die lustige Dinge in mir anstellen. In meinem kleinen Autochen habe ich noch ein Kassettendeck und immer, wenn ich weitere Strecken fahre, höre ich mich durch meine Vergangenheit. Ich werde an Orte zurückgeworfen, an Menschen erinnert und in vergangene Situationen geworfen. Eigentlich mache ich das gerne. Auf der anderen Seite werde ich so auch an Menschen erinnert, die in all den Jahren auf der Strecke geblieben sind. Heute habe ich eine Kassette gehört, die mich in das Jahr 2003 zurückgeschmissen hat. Meine Anfänge im Theater. Und der Beginn von zahlreichen Freundschaften, von denen heute kaum noch welche übrig sind. Die meisten Freundschaften sind irgendwo auseinander gegangen, weil man sich aus den Augen verloren hat, der ein oder andere weggezogen ist, oder weil man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Aber eine Freundschaft habe ich aus einem anderen Grund verloren. Sie ist an meiner Krankheit zerbrochen, vielleicht nicht nur, aber auch. Manchmal im Leben, wird man durch äußere (oder in meinem Fall innere) Umstände so geändert, dass man auf einmal nicht mehr zu einem Menschen passt. Man braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis, mehr Toleranz von jemanden, als man es vorher gebraucht hat. Und dann funktioniert man als Kombination nicht mehr richtig. Davon abgesehen, dass ich selbst alle meine Freundschaften (und meine Damals-noch-nicht-Ehe) sehr in Frage gestellt habe, als ich krank geworden bin, gab es scheinbar den ein oder anderen, der das auch gemacht hat. Anders als ich, die gemerkt hat, dass man in so einer schwierigen Zeit Freundschaft und Liebe mehr denn je braucht, haben ein paar andere Menschen entschieden, bei denen ich dann auf der Strecke geblieben bin. Nicht alle sind bereit, Kummer und Sorgen mitzutragen. Und irgendwie finde ich das okay. Ich werde dazu gezwungen, sehr viel von meinen Mitmenschen zu erwarten. Es ist nicht selbstverständlich, dass das jeder mitmacht. Noch vor einiger Zeit hat mich das sehr verletzt, aber heute bin ich klüger. Zum einen sollte man Menschen zurücklassen, die nicht mit wollen. Es bringt nichts, etwas zu erzwingen, was nicht sein soll. Die Menschen, die mit wollen, die werden es zeigen und dann automatisch da sein. Der Rest eben nicht. Zum anderen sollte es jedem selbst überlassen sein, ob er alle Sorgen mittragen kann. Es wird nicht jeder ertragen können, dass es eines Tages bergab gehen wird mit mir. Wenn wir realistisch sind, wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem ich viele Einschränkungen in eine Freundschaft bringen werde. Ein paar wenige Menschen sind sich dem bewusst und stehen bedingungslos an meiner Seite. Andere Menschen sind sich dem auch bewusst, können aber nicht bedingungslos an meiner Seite stehen. Und dafür habe ich Verständnis.

Ich bin unendlich froh, dass ich meine Herzmenschen habe. Ich passe gut auf sie auf. Für sie versuche ich so gesund wie möglich zu sein. Für sie werde ich lange laufen, sprechen und denken. Für sie versuche ich, mich so wenig wie möglich zu verändern, damit sie lange Freude an dem Menschen haben, den sie einmal kennen gelernt haben. Danke, dass ihr an meiner Seite bleibt.

Allerliebste Grüße

Steffie

Danke

Morgen ist wieder einer dieser Tage. Wie in einer Beziehung, zähle ich auch halbe Jahre. Und morgen ist wieder ein halbes Jahr voll. Es war ein gutes halbes Jahr. Die vier halben Jahre davor waren wesentlich unschöner. Geplagt von Schüben, die im Dreimonatstakt erschienen sind, hat mir das letzte halbe, sogar letzte ganze Jahr, nur einen einzigen Schub beschert. (Ich bin nicht abergläubisch, aber ich klopfe drei mal auf Holz. Sicher ist sicher.) Aber es geht bergauf mit mir. Hoffen wir doch einfach, dass es so bleibt.

Fast hätte ich ihn vergessen den Tag morgen. Auch diesbezüglich geht es bergauf mit mir. An den beiden anderen Halbjahrestagen hatte ich wochenlang schlechte Laune und der Tag stand wie ein Mahnmal vor mir. Wollte mir beweisen wie stark er ist. Dass er mir immer wieder zeigen kann wie wichtig er für mich sein wird, obwohl ich ihn verabscheue. Ich weiß nicht, warum, aber ich habe gewonnen. Er steht da. Vor mir. Kein Mahnmal. Unwichtig. Klein. Verursacht vielleicht ein klitzekleines Ziepen in der Bauchgegend. Aber er ist mir egal. Ein Zufall ließ mich aufmerksam werden. Ich habe das Theaterprogramm für den morgigen Abend angeschaut und da habe ich die 28 bemerkt. Und festgestellt, dass wir November haben. Ihr möchtet nicht wissen wie die anderen Halbjahrestage waren, aber morgen gehe ich auf jeden Fall ins Theater.

Froh bin ich aber doch, dass ich bemerkt habe, dass morgen der 28. November 2015 ist. Morgen vor einem halben Jahr habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Sehr aufgeregt, weil ich nicht wusste wie das Ganze ankommen wird. Fast 2000 Aufrufe haben mich überzeugt. Ebenso viele Kommentare, egal, ob persönlich, hier oder bei facebook. Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich hier mache und bin noch viel glücklicher, dass ich damit den einen oder anderen erreiche, unwichtig, ob er ein stiller Leser, oder ein Kommentator ist. Die Statistik überzeugt mich, dass ich nicht nur für mich schreibe, sondern auch für andere. Das motiviert mich sehr. Danke vielmals.

Allerliebste Grüße

Steffie

Stolz

Es ist also vollbracht. Vorgestern und gestern waren die Premiere und die zweite Vorstellung unseres Theaterstücks. Und ich muss sagen, ich bin extrem stolz auf mich. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich bis zur Premiere durchhalte. Denn auch, wenn es am Ende für den Zuschauer entspannt und stimmig aussieht, muss vorher eine Menge Arbeit investiert werden. Und weil wir für unser Stück quasi nur sechs Arbeitswochen hatten, war es eine Menge Arbeit in kurzer Zeit. Ich habe dem Probenplan zugestimmt, mit der Einschränkung, dass der Moment in der Probenzeit kommen kann, in dem ich schlapp mache. Und aus einem mir unerfindlichen Grund, gab es diesen Moment nicht. Ich habe an allen Proben teilnehmen können und habe unversehrt bis zum Schluss durchgehalten. 1:0 für Steffie. Unter dem Aspekt, dass ich also mit größter Disziplin, starkem Willen und viel Ausdauer an dieses Ziel gekommen bin, war es für mich umso schöner, unsere Arbeit präsentieren zu können. Und umso mehr, konnte ich meinen Theatermoment genießen. Wisst ihr, ganz davon abgesehen, dass ich Premieren sowieso gerne mag, hatte ich diesmal ein Gefühl von Überlegenheit. Natürlich gehen andere neben solcher Proben noch acht Stunden am Tag arbeiten, schmeißen einen Haushalt und haben eine Familie, die sie versorgen müssen. Aber in Anbetracht der mir zur Verfügung stehenden Ressourcen, habe ich gewonnen. Klar, war unsere Wohnung in der Endprobenphase ein einziges Chaos. Klar, habe ich außer Proben und Schlafen nicht viel anderes gemacht. Klar, musste mich der allerbeste Ehemann bei vielem unterstützen (Danke dafür!). Klar, waren gerade Schulferien und ich musste glücklicherweise nicht arbeiten. Aber trotzdem. Ich war stärker. Und vielleicht hat mir die Liebe zum Theaterspielen geholfen, stark zu bleiben. Vielleicht die Verantwortung gegenüber der Gruppe. Vielleicht auch die Möglichkeit, dass ich einfach mal vergessen konnte, dass ich krank bin. Vielleicht war es aber auch einfach eine Verkettung glücklicher Umstände. Egal, was es war, ich bin froh, dass es geklappt hat.

Natürlich habe ich die Gelegenheit direkt genutzt, noch einen Bucketlist-Punkt abzuhaken.

Champagner trinken

Hab ich nämlich noch nie. Jetzt schon. Vielleicht bleib ich aber besser bei Sekt. Der Champagner war ganz schön herb. Oder ich muss nochmal einen drauf setzten und das so machen wie Julia Roberts in Pretty Woman. Champagner mit Erdbeeren. Vielleicht geht das besser. Auf jeden Fall hat es eine Mitspielerin möglich gemacht, dass dieser Punkt erledigt ist. Danke.

Allerliebste Grüße

Steffie

Müde, aber glücklich

Ihr habt lange nichts von mir gehört. Ich habe Unistress. Stress ist nicht gut, aber momentan kann ich ihn irgendwie schlecht vermeiden. Aber ich kann ihm entgegenwirken. Theatern. Momentan gibt es endlich wieder viele Proben. Und viele echte Proben. Ich habe heute bemerkt, dass ich eigentlich schon sehr lange nicht mehr richtig theatert habe. Denn heute habe ich so richtig theatert. Wir gehen mit einer raschen Geschwindigkeit auf die Premiere zu. Ich hoffe, ich kann euch ein bisschen näher bringen, was mich am Theatern so begeistert. Kennt ihr das Gefühl, wenn man träumt, und sich selbst von oben betrachtet? So ist für mich theatern. Einmal raus aus dem Körper und schauen, was so in einem steckt. Und ich habe mich heute mehr als einmal gefreut, was da noch so an schauspielerischem Können vorhanden ist. (Ist wirklich schon lange her.) Und vor allem hat mich gefreut, dass ich oft aus meinem Körper raus durfte und Gefühle durchleben durfte, die ich bewusst hervorgerufen habe. Mich hat schon immer am Schauspielern fasziniert, dass man jemand anders sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Und seit dem ich krank bin, ist es umso schöner, wenn man mal kurz jemand anders sein kann. Und ich sage euch, ich war eben vier Stunden theatern. Und ich war vier Stunden gesund. Okay, ich hab meinen Körper am Ende mehr denn je gemerkt, weil vier Stunden Probe am Stück ist so ne Sache mit MS, aber egal, ich kann jetzt lange schlafen. Und immerhin war ich so euphorisch, dass ich euch direkt davon berichten musste wie glücklich ich gerade gestimmt bin.

Allerliebste Grüße

Steffie

Und jetzt? Zukunft!

Ich glaube ja, dass die MS weniger gut funktioniert, wenn man ab und zu seinen Kopf „resetet“. Aber ich glaube auch, dass dafür jeder seine eigene Methode finden muss. Ich habe ein paar Methoden. Ein schöner Film, schwimmen gehen oder ein gutes Buch. Alles Dinge, die meinen Kopf kurzfristig entspannen und ihn für neue Anstrengungen fit machen. Aber ein absoluter Garant für Kopfdurchpusten ist bei mir das Theater. Schon lange zähle ich mich zu den Theatermenschen. Mit 13 Jahren habe ich angefangen in der Theater AG meiner damaligen Schule zu spielen und bis heute lässt mich es mich nicht los. Nur hat sich die Bühne gewechselt und ist heute die des Theaters Oberhausen. Geändert hat sich dadurch nichts. Dieser kurze Adrenalinstoß ist für mich wie ein Lebenselexier. Ich muss zugeben, dass mir das Theatern in der Anfangszeit meiner Krankheit nicht immer leicht gefallen ist. Ich musste für einige Zeit pausieren. Aber genauso heilsam wie das Spielen ist auch das Theater Gucken. Zwei Stunden, die mich packen, mitnehmen und erst nach ewigem Durchdenken des Gesehenen wieder loslassen.

Und so saß ich vor geraumer Zeit in der Produktion einer anderen Laiengruppe des Theaters. Es handelte es sich um die Gruppe der Jugendlichen. Schon als man hereinkam, konnte man die aufgeregte Stimmung spüren. Das Adrenalin schwirrte quasi durch die Luft. Und ließ mich lächelnd in der ersten Reihe sitzen. Das Stück war nicht lang, aber berührte mich auf vielen Ebenen. 21 Jugendliche stehen auf der Bühne geben ihr Leben in Stichworten nach Jahren sortiert wieder. Die Reise beginnt in dem Geburtsjahr des ältesten Mitgliedes der Gruppe. Es fallen Sätze wie „2000: ich werde geboren.“ „2005: ich komme in den Kindergarten.“. Man bekommt einen schnellen Einblick in einen Lebensverlauf bis zum aktuellen Jahr 2015. Und was passiert dann? Richtig, die Jugendlichen sehen in die Zukunft. Wagen einen Blick darauf, was passieren könnte. Und dabei geht es nicht nur um die Ideen, was mit der Welt passieren könnte (Zombieapokalypse, Leben im Weltall, Forschung), sondern auch um die persönlichen Entwicklungen. Und dann fiel ein Satz und das Stück hatte mich vollständig: „Ich bin glücklich.“ Eigentlich bin ich ja kein Freund von der Überlegung, was passieren könnte. Denn ich glaube, vieles passiert, ohne dass wir Einfluss haben. Aber eben doch nicht alles. Denn wir haben es selber in der Hand. Wir können selber entscheiden, ob wir irgendwann in unserem Leben sagen können, dass wir glücklich sind. Egal wie die äußeren Umstände sind, wir können dafür sorgen, dass wir trotzdem das Beste daraus machen. Und ich finde, jeden Tag sollte das Ziel sein, abends sagen zu können, dass es ein guter Tag war.

In diesem Sinne: seid glücklich!

Allerliebste Grüße

Steffie