Jahrestag

Vor Kurzem habe ich ein Gespräch über „Ankommen“ geführt. Lange Zeit meines Lebens dachte ich, dass es DAS Ziel im Leben gibt. Dass man auf das eine Ideal hinarbeitet. Ich wurde eines besseren belehrt. Jeden Tag ändern sich Ziele. Jeden Tag ändern sich die Sachen, die uns ankommen lassen. Vor allem haben wir fast gar keinen Einfluss darauf, wodurch sich unsere Ziele ändern. Das einzige, was wir ändern können, ist die Art wie wir mit Veränderungen umgehen. Natürlich sollte man seine großen Ziele nicht aus den Augen verlieren, trotzdem kann es sein, dass sie an Wichtigkeit verlieren. Plötzlich fällt uns auf, dass andere Sachen viel wertvoller sind. Deswegen hört man ja nicht auf, sein großes Ziel zu verfolgen, aber vielleicht weniger verbohrt. Heute vor drei Jahren wurde ich gezwungen, meine Pläne zu ändern. Und ich habe sie geändert. Ich habe meine großen Ziele nicht aus den Augen verloren, aber ich habe den Blick für das kleine Ankommen dazu gewonnen. An manchen Tagen reicht mir ein gutes Buch, ein schönes Gespräch, ein tolles Lied. Vor allem weiß ich, dass es DAS eine Ziel nicht gibt. Es ist nicht da. Man sollte lieber versuchen, jeden Tag in den kleinen Dingen des Lebens anzukommen, als auf das eine große Ankommen hinzuarbeiten. Denn wenn man dort angekommen ist, hat man alle anderen Wunderbarkeiten verpasst, weil man sich einzig auf diese eine große Sache konzentriert hat. Und das wäre ganz schön schade.

Mit diesen Gedanken werde ich nun versuchen, diesen dritten Jahrestag zu vollbringen. Ich schaue auf drei spannende Jahre zurück, in denen ich mehr gewonnen, als verloren habe. Nachdem ich mich endlich gewöhnt habe, kann ich sagen: Mir geht es gut!

  • 5 von10 besuchten Stränden
  • 45 Minuten auf dem Crosstrainer (Stufe 12)
  • 7 von16 besuchten Bundesländern
  • (nur) ein Schub
  • 0 verlorene Körperteile
  • 58 von 300 Kleidern
  • 9 vollendete Bucketlist- Punkte

Allerliebste Grüße

Steffie

P.s.: Ach, und nur für’s Protokoll: mein Blog feiert heute seinen ersten Jahrestag mit dem 100. Beitrag. Auf die nächsten 100!

Preis

Bei allem, was ich gerade mache, überlege ich, ob es spannend genug ist, euch davon zu erzählen. Tatsächlich war bisher nichts spannend genug. Ich arbeite an meinen Unisachen, ich lackiere mir die Nägel, ich pflanze Blumen, ich malere, ich lese, ich stricke, ich schaue Serien. Und dort höre ich einen Satz:

If you knew this was your last day on earth how would you want to spend it?

Und ich stelle mich in Frage. Ich stelle alles, was ich mache in Frage. Ich überlege hin und her. Ich überlege, was ich mir wünsche. Was ich mir für mich vorstelle. Wo ich hin will. Wie ich mein Leben leben will. Und ich komme zu dem Schluss, dass ich jeden verdammten Tag genau so lebe, dass es kein Problem wäre, wenn es der Letzte wäre. Irgendwie ist das ein komisches Gefühl. Ich habe nichts zu ändern. Sollte man versuchen noch mehr zu wollen? Ich bin nicht der Mensch, der sich darauf ausruht, dass er etwas erreicht hat. Vielleicht sollte man die Maßstäbe neu definieren. Aber soll ich euch was sagen? Ich habe die fiese Befürchtung, dass ich den „kleinen“ Unistress mit einem Schub bezahlen werde. Wie entscheide ich, was wieviel wert ist? Wie entscheide ich, ob ich etwas durchziehen sollte? Wie entscheide ich, ob etwas soviel wert ist, dass ich dafür mit einem Schub bezahle? Es ist unendlich unfair, dass ich in meinem Leben endlich an dem Punkt angekommen bin, an dem ich sagen kann, dass ich es vollständig auskoste. Und gleichzeitig an einer Stelle stehe, in der ich gezwungen bin, ständig abzuwägen, ob ich mir überhaupt erlauben kann, mein Leben vollständig auszukosten. Aber manchmal, manchmal da haben Dinge einen hohen Preis. Wer weiß, vielleicht sehe ich es irgendwann anders, wenn ich mehr verloren haben werde als heute. Aber heute zahle ich den hohen Preis noch. Sogar sehr gerne. Wenn ich jetzt schon anfangen würde, alle Entscheidungen mit Angst zu treffen, würde ich nicht mehr studieren, nie wieder malern und auch nicht mehr unterrichten. Ich würde nichts mehr tun, weil ich keine Ziele mehr hätte, für die ich etwas tun müsste. Ich würde jeden Wunsch im Keim ersticken, weil irgendwo immer das Risiko steckt. Und dann? Genau.

Allerliebste Grüße

Steffie

Vergangenheit

Ich habe in meinem Schrank einen ganzen Satz alter Kassetten gefunden. Kassetten, die ich vor langer Zeit mühsam zusammengestellt habe, und die lustige Dinge in mir anstellen. In meinem kleinen Autochen habe ich noch ein Kassettendeck und immer, wenn ich weitere Strecken fahre, höre ich mich durch meine Vergangenheit. Ich werde an Orte zurückgeworfen, an Menschen erinnert und in vergangene Situationen geworfen. Eigentlich mache ich das gerne. Auf der anderen Seite werde ich so auch an Menschen erinnert, die in all den Jahren auf der Strecke geblieben sind. Heute habe ich eine Kassette gehört, die mich in das Jahr 2003 zurückgeschmissen hat. Meine Anfänge im Theater. Und der Beginn von zahlreichen Freundschaften, von denen heute kaum noch welche übrig sind. Die meisten Freundschaften sind irgendwo auseinander gegangen, weil man sich aus den Augen verloren hat, der ein oder andere weggezogen ist, oder weil man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Aber eine Freundschaft habe ich aus einem anderen Grund verloren. Sie ist an meiner Krankheit zerbrochen, vielleicht nicht nur, aber auch. Manchmal im Leben, wird man durch äußere (oder in meinem Fall innere) Umstände so geändert, dass man auf einmal nicht mehr zu einem Menschen passt. Man braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis, mehr Toleranz von jemanden, als man es vorher gebraucht hat. Und dann funktioniert man als Kombination nicht mehr richtig. Davon abgesehen, dass ich selbst alle meine Freundschaften (und meine Damals-noch-nicht-Ehe) sehr in Frage gestellt habe, als ich krank geworden bin, gab es scheinbar den ein oder anderen, der das auch gemacht hat. Anders als ich, die gemerkt hat, dass man in so einer schwierigen Zeit Freundschaft und Liebe mehr denn je braucht, haben ein paar andere Menschen entschieden, bei denen ich dann auf der Strecke geblieben bin. Nicht alle sind bereit, Kummer und Sorgen mitzutragen. Und irgendwie finde ich das okay. Ich werde dazu gezwungen, sehr viel von meinen Mitmenschen zu erwarten. Es ist nicht selbstverständlich, dass das jeder mitmacht. Noch vor einiger Zeit hat mich das sehr verletzt, aber heute bin ich klüger. Zum einen sollte man Menschen zurücklassen, die nicht mit wollen. Es bringt nichts, etwas zu erzwingen, was nicht sein soll. Die Menschen, die mit wollen, die werden es zeigen und dann automatisch da sein. Der Rest eben nicht. Zum anderen sollte es jedem selbst überlassen sein, ob er alle Sorgen mittragen kann. Es wird nicht jeder ertragen können, dass es eines Tages bergab gehen wird mit mir. Wenn wir realistisch sind, wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem ich viele Einschränkungen in eine Freundschaft bringen werde. Ein paar wenige Menschen sind sich dem bewusst und stehen bedingungslos an meiner Seite. Andere Menschen sind sich dem auch bewusst, können aber nicht bedingungslos an meiner Seite stehen. Und dafür habe ich Verständnis.

Ich bin unendlich froh, dass ich meine Herzmenschen habe. Ich passe gut auf sie auf. Für sie versuche ich so gesund wie möglich zu sein. Für sie werde ich lange laufen, sprechen und denken. Für sie versuche ich, mich so wenig wie möglich zu verändern, damit sie lange Freude an dem Menschen haben, den sie einmal kennen gelernt haben. Danke, dass ihr an meiner Seite bleibt.

Allerliebste Grüße

Steffie

Ich lebe bunt

Ich liebe Farben. Nicht nur, dass sie ein großer Teil meines Berufes sind, nein, ich lebe Farben. Fast immer kann man in meiner Kleidung meine Laune ablesen oder in der Farbe meines Nagellackes. Gerne kombiniere ich auch bunte Kleidungsstücke, wenn ich sehr gute Laune habe. Ich habe keine Lieblingsfarbe. Für mich gehören Farben zu meiner Laune oder zu einem Gegenstand. Noch dazu sortiere ich viele Dinge nach Farben. Meine Nagellacke, meine Kleider, meine DVD’s. Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau, Grün – und alles was dazwischen liegt.

Seit Tagen laufe ich in Schwarz rum. Erneut gab es einen Todesfall, der mich sehr mitgenommen hat. Da fällt mir nicht viel mehr ein, als Schwarz. Oder sagen wir fiel. Heute habe ich das erste Mal wieder etwas Farbenfrohes an. Ich habe lange in meinem Kopf sortiert und mir ist aufgefallen, dass der Mann, der mir so viel über Farben beigebracht hat, schwarz nicht verdient hat. Hat er doch sein Leben bunt gelebt, bis zum Schluss. Natürlich bin ich unendlich traurig, aber sind wir ehrlich, man sollte sich an das Leben erinnern, das der Mensch gelebt hat. Ein weiteres mal habe ich mich dabei ertappt, dass ich dachte: „Wie doof, dass du jetzt weg bist.“, obwohl man viel lieber denken sollte: „Danke, dass ich dich kennen lernen durfte und, dass du mein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert hast.“ Vieles, von dem, was ich heute bin, habe ich diesem Mann zu verdanken. Er hat immer das Beste in mir gesehen und hat nie aufgegeben, es auch herauszuholen. Ich bin unendlich froh, dass er ein Teil meines Lebens war und, dass ich von ihm gerade in den letzten Jahren soviel über die richtige Einstellung zum Leben lernen durfte.

In diesem Sinne werde ich mich jetzt wieder bunt anziehen. Vielleicht nicht so bunt wie sonst, aber bunter als die letzen Tage.

Allerliebste Grüße

Steffie

Angst

Manchmal überkommt sie mich, diese unbändige Angst vor der Zukunft. Unvorstellbar, aber wahr, auch bei mir ist nicht immer alles toll, auch wenn ich hier eine kunterbunte Erlebniswelt preisgebe. Obwohl ich ein Stehaufmännchen bin, manchmal bin ich angreifbar. Tatsächlich lange nicht mehr so oft wie am Anfang meiner Krankheit, aber hin und wieder, in einem schwachen Augenblick, kriegt sie mich, die Angst. Ich stelle alles in Frage. Überlege, warum ich überhaupt noch studiere. Warum ich Medikamente nehme, die die Krankheit hinauszögern (sollen), mir aber einen Haufen an Nebenwirkungen bescheren. Ich frage mich, warum ich zweimal die Woche zur Physiotherapie und einmal die Woche zur Ergotherapie gehe. Warum ich nicht einfach geschehen lasse, was da in mir und mit mir geschieht. Manchmal bezweifle ich, dass ich etwas machen kann. Manchmal glaube ich, dass passieren wird, was passieren soll. Das ist mein Bauch. Normal kann ich mich auf ihn verlassen. Er schätzt für mich fremde Menschen ein, die ich kennenlerne, er lässt mich spontane Ideen umsetzen, er lässt mich die richtigen Worte in zwischenmenschlichen Angelegenheiten finden. Aber er lässt mich auch Gefühle durchleben, die ungefiltert in meinem Kopf ankommen. Und in dem Moment, in dem sie nicht gefiltert werden, überrollen sie mich. Dann muss mir nur einfallen, dass ich meinen Kopf brauche. Meinen Kopf, der mir rationale Entscheidungen ermöglicht und kombiniert mit meinem Bauch meine Art beschert. Solange es positive Emotionen sind, die mir mein Bauch ermöglichen will, dürfen sie ruhig ungefiltert durch. Dann durchfluten sie meinen Kopf, und dann die ganze Steffie und machen mich unendlich glücklich. Theater spielen, tanzen, am Meer stehen sind so ein paar Beispiele. Sind es aber negative Emotionen, brauche ich dringend meinen Kopf. Angst, Unsicherheit, Trauer und Sorgen machen sich breit und wollen Besitz von mir ergreifen. In der Anfangszeit hatten diese Gefühle mehr Chancen. Sie hatten mich voll und ganz im Griff und mein Leben ist schleppend an mir vorbeigezogen. Heute sind es nur noch Momente. Vielleicht ein paar Stunden. Dann schupse ich mich (oder ich werde geschupst) wieder in die richtige Richtung und mache weiter. Alle Pro- und Contra- Listen haben ergeben, dass Weitermachen die beste Möglichkeit ist. Weitermachen so gut es geht. Zweifelt nicht jeder ab und an an sich? Stellt nicht jeder seine Zukunft manchmal in Frage? Und bei mir gibt es einfach den Unterschied, dass ich mit dem arbeiten muss, was ich habe, und meine Entscheidungen vielleicht nicht immer ganz frei treffen kann. Aber was ändert das schon? Wichtig ist, dass man weitermacht. Egal, ob gesund oder krank.

Allerliebste Grüße

Steffie

Jahreswechsel

Ich mag Jahreswechsel nicht. Ihr werdet mich vermutlich nie auf einer großen Silvesterparty antreffen. Ich kann aber leider nicht erklären, wieso ich Jahreswechsel nicht mag. Irgendwie löst dieses Ende in meinem Bauch ein komisches Gefühl aus. Es ist so beängstigend, dass die Zeit verfliegt und an jedem 31.12. einen Stempel setzt und sagt: „So, abgeschlossen. Das nächste Jahr bitte.“ Nicht, dass ich Angst vor dem Älterwerden hätte. Ganz im Gegenteil. Ich genieße die Vorzüge, die dadurch entstanden sind, dass ich älter geworden bin. Nichts desto trotz habe ich am Silvesterabend ein mulmiges Gefühl. Als ob all das, was im alten Jahr passiert ist, einen Deckel bekommt, der mit einem Datum versehen wird, und dadurch nie wieder zu ändern sein wird. Was natürlich völliger Unsinn ist. Egal, was geändert werden müsste, wenn man es wirklich will, kann man fast alles rückgängig oder wieder gut machen. Und manchmal ist es auch einfach gut, wenn Dinge abgeschlossen werden können. Hin und wieder muss man halt hinnehmen, dass ein Abschluss nicht unbedingt schlecht sein muss.

Natürlich entsteht mit dem Abschluss des alten Jahres auch die Chance auf Neues im neuen Jahr. Um das zu merken, brauche ich aber immer ein paar Wochen. Als ob ich mich gewöhnen müsste. Dass das Ganze völlig bescheuert ist, ist mir selber natürlich auch klar. Es ändert sich außer dem Datum überhaupt nichts. Ich werde morgen weiter machen wie bisher. Allgemein glaube ich, dass ich es mit meinen neuen Lebensphilosophien ganz gut getroffen habe. Ich bin angekommen in mir und meinem Leben und das gibt mir ein gutes Gefühl. Mein Lebensstil erlaubt mir, manchmal zu vergessen, dass ich krank bin. Manchmal vergesse ich sogar, dass ich diesen Lebensstil habe, weil ich krank bin. Interessanter Kreis.

Ich wünsche euch, dass ihr im neuen Jahr glücklich seid. Dass ihr von guten Menschen umgeben seid und, dass ihr Spaß habt, bei dem, was ihr tut. Nehmt euch aber nur das vor, was ihr auch wirklich erreichen könnt, damit ihr euch nicht unnötig unter Druck setzt. Seid einfach bei euch, dann klappt alles ganz von selbst. Für mich wird es vermutlich ein unglaublich spannendes und aufregendes Jahr werden. Und deswegen überwiegt zumindest dieses Silvester meine Vorfreude und das mulmige Gefühl schiebe ich weit von mir. Ich freue mich, dass ihr auch dann wieder all meine Geschichten lesen werdet.

Allerliebste Grüße

Steffie

Danke

Morgen ist wieder einer dieser Tage. Wie in einer Beziehung, zähle ich auch halbe Jahre. Und morgen ist wieder ein halbes Jahr voll. Es war ein gutes halbes Jahr. Die vier halben Jahre davor waren wesentlich unschöner. Geplagt von Schüben, die im Dreimonatstakt erschienen sind, hat mir das letzte halbe, sogar letzte ganze Jahr, nur einen einzigen Schub beschert. (Ich bin nicht abergläubisch, aber ich klopfe drei mal auf Holz. Sicher ist sicher.) Aber es geht bergauf mit mir. Hoffen wir doch einfach, dass es so bleibt.

Fast hätte ich ihn vergessen den Tag morgen. Auch diesbezüglich geht es bergauf mit mir. An den beiden anderen Halbjahrestagen hatte ich wochenlang schlechte Laune und der Tag stand wie ein Mahnmal vor mir. Wollte mir beweisen wie stark er ist. Dass er mir immer wieder zeigen kann wie wichtig er für mich sein wird, obwohl ich ihn verabscheue. Ich weiß nicht, warum, aber ich habe gewonnen. Er steht da. Vor mir. Kein Mahnmal. Unwichtig. Klein. Verursacht vielleicht ein klitzekleines Ziepen in der Bauchgegend. Aber er ist mir egal. Ein Zufall ließ mich aufmerksam werden. Ich habe das Theaterprogramm für den morgigen Abend angeschaut und da habe ich die 28 bemerkt. Und festgestellt, dass wir November haben. Ihr möchtet nicht wissen wie die anderen Halbjahrestage waren, aber morgen gehe ich auf jeden Fall ins Theater.

Froh bin ich aber doch, dass ich bemerkt habe, dass morgen der 28. November 2015 ist. Morgen vor einem halben Jahr habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Sehr aufgeregt, weil ich nicht wusste wie das Ganze ankommen wird. Fast 2000 Aufrufe haben mich überzeugt. Ebenso viele Kommentare, egal, ob persönlich, hier oder bei facebook. Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich hier mache und bin noch viel glücklicher, dass ich damit den einen oder anderen erreiche, unwichtig, ob er ein stiller Leser, oder ein Kommentator ist. Die Statistik überzeugt mich, dass ich nicht nur für mich schreibe, sondern auch für andere. Das motiviert mich sehr. Danke vielmals.

Allerliebste Grüße

Steffie

11 Fragen

Die liebste Sunny von den Sonnenpuzzleteilchen hat mich für meinen ersten Blogaward nominiert und ich habe mich riesig gefreut. Die Aufgabe ist, dass elf von ihr gestellte Fragen beantwortet werden müssen und dabei hat sie sich ganz tolle Sachen ausgedacht, die ich mit Freuden beantworte.

1) Welches deiner bisherigen Lebensjahre dürfte sich gerne immer wieder (oder zumindest eine zeitlang) wiederholen?

Ganz klar: das Jahr 2012. Dieses Jahr war bisher das absolute Highlight meines Lebens. An erster Stelle bin ich in diesem Jahr Patentante von dem allerbesten Weltuntergangsbaby geworden. Wie gut, dass es den Maya-Kalender gibt. Außerdem wurde aus der Freundin Steffie die Verlobte Steffie. Dann habe ich meinen Meistertitel vollendet und parallel mein Studium begonnen, was schon lange ein großer Traum war. Und zum Schluss, aber nicht weniger wichtig, habe ich auch noch meine allerliebste beste Freundin kennengelernt. Ganz nebenbei war das das letzte Jahr, in dem ich gesund war. Schlussendlich würde ich es aber trotzdem nicht wiederholen wollen. Vielleicht würde ich ab und zu nochmal dahin zurück gehen, aber jeder einzelne Moment hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und wird für immer bleiben. Um dieses Jahr zu würdigen, ziert ein kleiner Marienkäfer mit zwölf Punkten in Form eines Tattoos meinen linken inneren Knöchel.

2) Welches Bild hast du bei dem Stichwort „meine Kindheit“ als erstes vor Augen?

Ganz schön schwierig. Es gibt eine große, große Menge Fotos von mir und ich habe spontan viele Bilder vor Augen. Eins haben die meisten Bilder gemeinsam: ich grinse wie ein Honigkuchenpferd. Außerdem wurden immer andere Situationen dokumentiert. Ich würde also sagen: meine Kindheit war vor allem eins, bunt und glücklich.

3) Bist du gern zur Schule gegangen, wenn ja, wieso, bzw. wenn nein, wieso?

Ich bin sehr gern zur Schule gegangen. Ganz davon abgesehen, dass ich ein geselliger Mensch bin, liebe ich es zu lernen. Leider bezieht sich diese Liebe ausschließlich auf die Bereiche, die mich interessieren. Mathe zum Beispiel war mir ein Graus. Dafür ist studieren um so schöner, da kann man wählen, was man lernen will. Das ist ganz nach meinem Geschmack.

4) Wusstest du schon früh, was du später „werden“ möchtest, oder hat sich das eher im Laufe der Zeit gezeigt?

Obwohl ich ein Mensch der Pläne bin (und Pläne über Pläne und auch darüber nochmal Pläne), war mir nach der Schule nicht klar, was ich mal machen werde. Am Ende des Abiturs erschien mir die Ausbildung zur Malerin als richtig. Ich musste arbeiten und wollte mich dabei bewegen und nicht in einem Büro landen. Als die Ausbildung vorbei war, wollte ich ursprünglich Innenarchitektur studieren. Aber der Meister erschien mir sinnvoller. Gut, dass ich das gemacht habe, es war eine tolle Zeit. Und als der Meister vorbei war, hörte ich auf die Worte, die mir einst mein Mathelehrer an der Berufsschule immer wieder gesagt hat, und startete mein Studium zur Berufsschullehrerin. Seit fast drei Jahren habe ich jetzt die Möglichkeit an einer Berufsschule als Aushilfslehrerin tätig zu sein und erlebe den vollen Schulalltag. Schlussendlich habe ich alles richtig gemacht, ich mag meinen Beruf.

5) Seit wann ist das Bloggen in dein Leben getreten?

Am 28. Mai diesen Jahres. Wieso und warum könnt ihr hier lesen.

6) Welche Art von Blogs liest du am liebsten?

Die Art von Blogs, in denen ich ein bisschen von den Menschen erfahre. Ich mag Blogs, die mir erzählen, dass auch andere Menschen Sorgen und Probleme haben, sie aber einen Weg gefunden haben, damit umzugehen. Und ich möchte wissen, wie. Dabei bin ich meist eine stille Leserin.

7) Reist du gerne und wenn ja, wohin?

Ich habe das Gefühl, ein einfaches „ja“ reicht nicht aus. Ja, auf jeden Fall! Ja, natürlich! Ja, immerzu! Wohin, ist erstmal egal. Deutsche Städte, europäische Städte, Städte der Welt. Ans Meer, an Seen, an Flüsse. Weniger gern in die Berge, aber wenn es sein muss, nehme ich auch die. In andere Länder, in andere Kulturen. In die Sonne, in den Schnee. Gerne, an Orte, die ich noch nicht kenne. Ich habe Fernweh.

8) Rucksacktour oder Hotel?

Leider Krankheitsbedingt Hotel. Nicht, dass ich früher der Wandermensch schlechthin gewesen wäre, aber jetzt bleibt halt nur noch das Hotel, weil es keine andere Möglichkeit gibt.

9) Bist du ein Stadt- oder ein Landmensch?

Ich würde sagen beides. Ich finde beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich kann die Vorteile beider Seiten genießen und über die Nachteile beider Seiten hinwegsehen. So bin ich über Jahre immer weiter aus der Stadt hinausgezogen und bin jetzt in einer Stadt gelandet, die beides ganz gut vereint. Das ist schön. So kann ich alle Vorteile genießen und die Nachteile kürzen sich gegenseitig weg.

10) Wo siehst du dich selbst in fünf Jahren?

Ich habe wirklich keine Ahnung, bin mir aber auch nicht sicher, ob ich sie haben will. Es ist gut, dass man es selbst in der Hand hat. Meistens.

11) Stelle dir selbst eine Frage und beantworte sie: bist du glücklich?

Ja. Ständig und immer wieder.

So, und an dieser Stelle müsste ich neue Leute nominieren. Leider kenne ich keine weiteren Blogs, die ich nominieren könnte. Also gibt es von mir auch keine neuen Fragen. Aber mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

Allerliebste Grüße

Steffie

Kleine graue Wolke

Auch, wenn ich den Umgang mit der Krankheit mittlerweile besser hinbekomme, habe ich immer noch Schwierigkeiten, Kontakt mit anderen MS-Erkrankten zu haben. Also vermeide ich ihn immer. Heute bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe mich nach Wuppertal ins Rex Filmtheater gewagt, um mir den Film „Kleine graue Wolke“ von Sabine Marina anzuschauen. Was ich dabei vergessen hatte: ich war nicht die einzige MS-Kranke. Logischerweise. So stand ich also, glückerlicherweise den allerbesten Ehemann an meiner Seite, vor einem Kinosaal mit vielen Menschen mit offensichtlichen Behinderungen. Ein Blick in meine Zukunft (.) (!) (?) Vielleicht. Die Tatsache, dass ich das Publikum bei der Planung meines Kinobesuchs vergessen hatte, bescherte mir einen kurzzeitigen Schockzustand, den ich elegant damit überging, irgendein unsinniges Spiel auf meinem Handy zu zocken. Im dunklen Kinosaal war es dann okay. Nur führte mir die Situation vor Augen, wieso ich kein bisschen dazu bereit bin, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Und aktuell bin ich mir auch nicht sicher, ob ich es jemals sein werde. Aber muss ich ja auch nicht.

Ich habe MS. Aber andere haben andere Sachen.

Sabine Marina ist selbst an MS erkrankt und ihr Mut, sich öffentlich damit auseinander zu setzen und andere ein Stück weit teilhaben zu lassen, erinnerte mich an mich selbst, weswegen mich der Film sehr interessierte. Es ist ein Film, der nur in ein paar Kinos gezeigt wird und ursprünglich dachte ich, dass ich ihn überhaupt nicht sehen kann. Aber der heutige Termin in Wuppertal schien dann doch perfekt. Eigentlich geht es in dem Film gar nicht richtig um MS. Also es wird nicht im Detail erklärt, um welche Art Krankheit es sich handelt. Also im medizinischen Sinne. Eher so für normale Menschen. In ein paar Nebensätzen werden die wichtigsten Fakten genannt. Aber hauptsächlich geht es um eine junge Frau, die mitten im Leben steht, und gezwungen wird, alle Pläne zu ändern. Und die über eine Leinwand läuft und meine Gedanken ausspricht. Sie teilt meine Ängste, meine Bedenken aber auch meine Hoffnungen. Ein wirklich verrücktes Gefühl. Was mich aber am meisten begeistert hat, waren die Momente, in denen es Sabine Marina schafft, Emotionen, die nur die Menschen erlebt haben, die das gleiche durchgemacht haben wie sie, zu transportieren. Dafür benutzt sie eindrucksvolle Bilder, die in mir ausgelöst haben, dass ich mich verstanden gefühlt habe, und bei einem Gesunden die Frage aufwerfen: „So also fühlt sich das an?“ In dem Film werden auch andere Menschen vorgstellt, die die unterschiedlichsten Krankheitsverläufe der MS haben. So, wird einem die MS doch näher gebracht, ohne, dass man die Krankheit genau kennt. Aber alle haben eins gemeinsam. Keiner von ihnen gibt auf. Auch, wenn nicht alle die klassischen Medikamente nehmen, auch, wenn manche schwerer getroffen sind als andere, auch, wenn alle bestätigen, dass die MS sie in ihrem Leben einschränkt, jeder von ihnen hat einen Weg gefunden, die eigene MS anzunehmen. Und oft wird betont, dass die Krankheit sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise bereichert hat. Alle sind sich im Klaren darüber, dass sie ein mieses Los gezogen haben. Keiner kann uns sagen wie lange es noch bergauf geht, oder wie schnell es bergab gehen wird. Keiner kann uns sagen, welche Ausmaße die Krankheit haben wird. Vielleicht lebt man noch zehn Jahre ohne größere Beschwerden, vielleicht kann man aber in fünf Jahren auch schon nicht mehr laufen. Trotzdem haben alle vorgestellten Erkrankten ihre Erzählungen mit einem positiven Gedanken abgeschlossen. Und eben darum war der Film schlussendlich richtig gut. Er vermittelt eben, dass eine unheilbare Krankheit nicht der Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken und miesepetrig durch die Welt zu laufen. Sondern genau das Gegenteil, nämlich lieber jeden Moment auszukosten.

Am Ende geht es nicht darum, was wir durch die MS verloren haben. Sondern darum, was wir durch sie finden werden.

Allerliebste Grüße

Steffie

Überholspur

Heute breche ich mit meinem Vorsatz, dass ich euch hier berichten will, welche Wunderbarkeiten ich im Leben entdecken konnte, seitdem ich krank bin. Heute möchte ich euch davon erzählen wie die noch gesunde Steffie war. Ein Kommentar auf einen meiner Facebook- Posts hat mich dazu gebracht. „Ich wünschte, dafür hätte ich Zeit.“ Es ging um einen Kinobesuch, zugegebenermaßen um einen langen Kinobesuch, weil sich der beste Ehemann und ich das Triple-Feature von Zurück in die Zukunft gegönnt haben. Und genau das ist es. Wir haben uns diese Zeit genommen. Es ist Semesterstart und ich hätte schon auch anderes zu tun. Vor allem, weil auch wieder die erste Schulwoche ist. Der beste Ehemann ist mitten im Bewerbungsstress. Auch er hat genug zu tun, zumal er nebenher noch 40 Stunden arbeitet. Aber was wäre das Leben, ohne die Momente, an die man sich später gern zurück erinnert? Und wenn ich mir die Zeit nicht dafür nehme, dann können diese Momente nicht entstehen.

Aber ich muss sagen, dass mich dieser Kommentar an mich selbst erinnert hat. Also an die Steffie vor dem 28. Mai 2013. Ich habe ein Leben auf der Überholspur gelebt. Durch meine Adern sind eigentlich nur Stress und Koffein geflossen. Dazu kommt, dass ich einen ärgerlichen Hang zum Perfektionismus habe und in einem noch viel schlimmeren Ausmaß hatte. Gerne habe ich mehrere Dinge gleichzeitig bewältigt. Urlaub? Kann man auch später machen. So bin ich von meiner Ausbildung (, die ich natürlich als Beste meiner Stadt beenden musste) über den Meister (, den ich natürlich in Abendschule machen musste, weil man kann ja noch 40 Stunden nebenher arbeiten) in mein Studium (, das ich natürlich bereits parallel zur Meisterprüfung beginnen musste) geschlittert. Heute betrachte ich nicht gerne die Fotos von mir aus dieser Zeit. Gute 15 Kilo leichter, kamen Knochen hervor und mein Gesicht sah komisch aus. Zwischen all dieser Arbeit, hatte ich nicht viel Zeit zu essen und wenn ich gegessen habe, war es nicht gesund. Die körperliche Arbeit auf der Baustelle tat den Rest dazu.

Ich versuche nicht oft darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn… Ich sage dazu „hätte, hätte, Fahrradkette“. Das sind Gedanken, die man sich sparen kann, weil man es eh nicht ändern kann. Aber manches Mal, wenn ich überlege wie es wohl zu dieser Erkrankung kam, fange ich an zu bereuen. Hätte ich damals auch nur ansatzweise das Leben geführt, das ich heute führe, wäre ich vielleicht verschont geblieben. Ich glaube, mein Körper hat mir mehr als einmal deutlich zu verstehen gegeben, dass es reicht. Man sollte nicht jeden Tag an und über seine Grenzen gehen, nur weil man es kann. Eigentlich sollte man es vermeiden. So ein Körper soll lange genug funktionieren, da sollte man ihn so gut schonen wie es eben geht. Ich glaube nicht, dass nur mein damaliger Stress Schuld an der Erkrankung ist. Zumal ich da eh nicht viel zu zu sagen habe. Wenn die Wissenschaftler nicht wissen wie die Multiple Sklerose entsteht, dann weiß es auch keine kleine Steffie. Aber sagen wir so, mein Gefühl sagt mir, dass ich einen guten Nährboden für die MS geschaffen habe.

Mit dem Wissen von heute möchte ich euch sagen, wenn ihr auf der Überholspur seid, fahrt wieder rechts rüber. Wenn möglich nehmt am besten auch direkt eine Ausfahrt. Das Leben ist zu wichtig, um es für die Geschwindigkeit einer Autobahn zu riskieren. Fahrt lieber über die Landstraße. Guckt nach rechts und links. Genießt die Aussicht und haltet öfter an. Und fahrt nicht allein. Nehmt Menschen mit.

Allerliebste Grüße

Steffie