Überholspur

Heute breche ich mit meinem Vorsatz, dass ich euch hier berichten will, welche Wunderbarkeiten ich im Leben entdecken konnte, seitdem ich krank bin. Heute möchte ich euch davon erzählen wie die noch gesunde Steffie war. Ein Kommentar auf einen meiner Facebook- Posts hat mich dazu gebracht. „Ich wünschte, dafür hätte ich Zeit.“ Es ging um einen Kinobesuch, zugegebenermaßen um einen langen Kinobesuch, weil sich der beste Ehemann und ich das Triple-Feature von Zurück in die Zukunft gegönnt haben. Und genau das ist es. Wir haben uns diese Zeit genommen. Es ist Semesterstart und ich hätte schon auch anderes zu tun. Vor allem, weil auch wieder die erste Schulwoche ist. Der beste Ehemann ist mitten im Bewerbungsstress. Auch er hat genug zu tun, zumal er nebenher noch 40 Stunden arbeitet. Aber was wäre das Leben, ohne die Momente, an die man sich später gern zurück erinnert? Und wenn ich mir die Zeit nicht dafür nehme, dann können diese Momente nicht entstehen.

Aber ich muss sagen, dass mich dieser Kommentar an mich selbst erinnert hat. Also an die Steffie vor dem 28. Mai 2013. Ich habe ein Leben auf der Überholspur gelebt. Durch meine Adern sind eigentlich nur Stress und Koffein geflossen. Dazu kommt, dass ich einen ärgerlichen Hang zum Perfektionismus habe und in einem noch viel schlimmeren Ausmaß hatte. Gerne habe ich mehrere Dinge gleichzeitig bewältigt. Urlaub? Kann man auch später machen. So bin ich von meiner Ausbildung (, die ich natürlich als Beste meiner Stadt beenden musste) über den Meister (, den ich natürlich in Abendschule machen musste, weil man kann ja noch 40 Stunden nebenher arbeiten) in mein Studium (, das ich natürlich bereits parallel zur Meisterprüfung beginnen musste) geschlittert. Heute betrachte ich nicht gerne die Fotos von mir aus dieser Zeit. Gute 15 Kilo leichter, kamen Knochen hervor und mein Gesicht sah komisch aus. Zwischen all dieser Arbeit, hatte ich nicht viel Zeit zu essen und wenn ich gegessen habe, war es nicht gesund. Die körperliche Arbeit auf der Baustelle tat den Rest dazu.

Ich versuche nicht oft darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn… Ich sage dazu „hätte, hätte, Fahrradkette“. Das sind Gedanken, die man sich sparen kann, weil man es eh nicht ändern kann. Aber manches Mal, wenn ich überlege wie es wohl zu dieser Erkrankung kam, fange ich an zu bereuen. Hätte ich damals auch nur ansatzweise das Leben geführt, das ich heute führe, wäre ich vielleicht verschont geblieben. Ich glaube, mein Körper hat mir mehr als einmal deutlich zu verstehen gegeben, dass es reicht. Man sollte nicht jeden Tag an und über seine Grenzen gehen, nur weil man es kann. Eigentlich sollte man es vermeiden. So ein Körper soll lange genug funktionieren, da sollte man ihn so gut schonen wie es eben geht. Ich glaube nicht, dass nur mein damaliger Stress Schuld an der Erkrankung ist. Zumal ich da eh nicht viel zu zu sagen habe. Wenn die Wissenschaftler nicht wissen wie die Multiple Sklerose entsteht, dann weiß es auch keine kleine Steffie. Aber sagen wir so, mein Gefühl sagt mir, dass ich einen guten Nährboden für die MS geschaffen habe.

Mit dem Wissen von heute möchte ich euch sagen, wenn ihr auf der Überholspur seid, fahrt wieder rechts rüber. Wenn möglich nehmt am besten auch direkt eine Ausfahrt. Das Leben ist zu wichtig, um es für die Geschwindigkeit einer Autobahn zu riskieren. Fahrt lieber über die Landstraße. Guckt nach rechts und links. Genießt die Aussicht und haltet öfter an. Und fahrt nicht allein. Nehmt Menschen mit.

Allerliebste Grüße

Steffie

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