Vergangenheit

Ich habe in meinem Schrank einen ganzen Satz alter Kassetten gefunden. Kassetten, die ich vor langer Zeit mühsam zusammengestellt habe, und die lustige Dinge in mir anstellen. In meinem kleinen Autochen habe ich noch ein Kassettendeck und immer, wenn ich weitere Strecken fahre, höre ich mich durch meine Vergangenheit. Ich werde an Orte zurückgeworfen, an Menschen erinnert und in vergangene Situationen geworfen. Eigentlich mache ich das gerne. Auf der anderen Seite werde ich so auch an Menschen erinnert, die in all den Jahren auf der Strecke geblieben sind. Heute habe ich eine Kassette gehört, die mich in das Jahr 2003 zurückgeschmissen hat. Meine Anfänge im Theater. Und der Beginn von zahlreichen Freundschaften, von denen heute kaum noch welche übrig sind. Die meisten Freundschaften sind irgendwo auseinander gegangen, weil man sich aus den Augen verloren hat, der ein oder andere weggezogen ist, oder weil man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Aber eine Freundschaft habe ich aus einem anderen Grund verloren. Sie ist an meiner Krankheit zerbrochen, vielleicht nicht nur, aber auch. Manchmal im Leben, wird man durch äußere (oder in meinem Fall innere) Umstände so geändert, dass man auf einmal nicht mehr zu einem Menschen passt. Man braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis, mehr Toleranz von jemanden, als man es vorher gebraucht hat. Und dann funktioniert man als Kombination nicht mehr richtig. Davon abgesehen, dass ich selbst alle meine Freundschaften (und meine Damals-noch-nicht-Ehe) sehr in Frage gestellt habe, als ich krank geworden bin, gab es scheinbar den ein oder anderen, der das auch gemacht hat. Anders als ich, die gemerkt hat, dass man in so einer schwierigen Zeit Freundschaft und Liebe mehr denn je braucht, haben ein paar andere Menschen entschieden, bei denen ich dann auf der Strecke geblieben bin. Nicht alle sind bereit, Kummer und Sorgen mitzutragen. Und irgendwie finde ich das okay. Ich werde dazu gezwungen, sehr viel von meinen Mitmenschen zu erwarten. Es ist nicht selbstverständlich, dass das jeder mitmacht. Noch vor einiger Zeit hat mich das sehr verletzt, aber heute bin ich klüger. Zum einen sollte man Menschen zurücklassen, die nicht mit wollen. Es bringt nichts, etwas zu erzwingen, was nicht sein soll. Die Menschen, die mit wollen, die werden es zeigen und dann automatisch da sein. Der Rest eben nicht. Zum anderen sollte es jedem selbst überlassen sein, ob er alle Sorgen mittragen kann. Es wird nicht jeder ertragen können, dass es eines Tages bergab gehen wird mit mir. Wenn wir realistisch sind, wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem ich viele Einschränkungen in eine Freundschaft bringen werde. Ein paar wenige Menschen sind sich dem bewusst und stehen bedingungslos an meiner Seite. Andere Menschen sind sich dem auch bewusst, können aber nicht bedingungslos an meiner Seite stehen. Und dafür habe ich Verständnis.

Ich bin unendlich froh, dass ich meine Herzmenschen habe. Ich passe gut auf sie auf. Für sie versuche ich so gesund wie möglich zu sein. Für sie werde ich lange laufen, sprechen und denken. Für sie versuche ich, mich so wenig wie möglich zu verändern, damit sie lange Freude an dem Menschen haben, den sie einmal kennen gelernt haben. Danke, dass ihr an meiner Seite bleibt.

Allerliebste Grüße

Steffie

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