Welt-MS-Tag

Da haben wir ihn also wieder, den Welt-MS-Tag. Ich weiß nicht, ob ich davon schon mal erzählt habe, aber ich habe meine Diagnose quasi am Welt-MS-Tag 2013 bekommen. Ich weiß nicht genau, was das für ein schlechter Scherz ist, aber es war so. Der Welt-MS-Tag ist nicht jedes Jahr am selben Tag, aber immer Ende Mai. Das heißt mein Jahrestag ist nicht gleichzusetzen mit dem Welt-MS-Tag. Ich kann mich dunkel erinnern, dass ich damals eine Werbung im TV gesehen habe, in der es um eine junge Frau ging, die die Diagnose MS erhalten hat. Außerdem wurden in diesem Video unterschiedliche Personen gezeigt, die aufzeigen, was bei der Krankheit alles passieren kann. Diese Werbung habe ich seither nie wieder gesehen. Heute weiß ich, dass das Video immer zur Zeit des Welt-MS-Tages läuft und auf die Krankheit aufmerksam machen soll. Fast schäme ich mich, dass ich diese Werbung nie ernsthaft wahrgenommen habe. Ich habe nie recherchiert, was das für eine Krankheit ist. Irgendwie komisch, dass es Krankheiten gibt, von denen man nicht mal weiß, dass sie es sie gibt. Naja, bei dieser weiß ich es ja jetzt. Als jemand, der an MS erkrankt ist, bin ich froh, dass versucht wird, die Krankheit bekannter zu machen. Obwohl wir in einer allgemein recht aufgeklärten Gesellschaft leben, schwirren eine Menge Gerüchte, Vorurteile und Fehlinformationen herum. Am liebsten habe ich die Frage: „Oh nein, du hast Muskelschwund?“ Meist muss ich dann lachen, aber irgendwie ist das ja auch schade. Solange sich diese Aussagen im privaten Bereich bewegen, ist das ja auch gar nicht schlimm. Leider ziehen sich diese Gedanken auch in berufliche Bereiche. Durch die vielfältige Erscheinung der MS, fällt man leicht in ein Bild, aus dem man nur schlecht raus kommt. Viele MS-Erkrankte sind weitestgehend fit und können ihrer Arbeit normal nachgehen. Nur leider denken die meisten zum Beispiel, dass MS automatisch Rollstuhl bedeutet und welcher Chef möchte denn jemanden einstellen, der bald im Rollstuhl sitzen wird? Wenn nun aber jeder wüsste, dass die MS nicht nach einem bestimmten Muster verläuft, könnte man einem Chef ehrlich sagen, dass man diese Krankheit hat, und ebenso könnte er einem glauben, wenn man sagt, dass man seine Arbeit aber ohne Probleme erledigen kann. Leider läuft es eher darauf hinaus, dass man besser verschweigt, dass man diese Erkrankung hat. Neben dem Wunsch, dass die Krankheit heilbar wird, habe ich fast genauso stark den Wunsch, dass ich damit offen umgehen kann. Dass ich nicht gezwungen bin, zu verschweigen oder gar zu lügen. Dass mehr Menschen wissen, womit ich jeden Tag kämpfe. Ich hoffe, dass der Welt-MS-Tag dabei hilft und es eines Tages schafft, dass sich wirklich viel mehr Menschen mit der Multiple Sklerose auseinandersetzten.

Allerliebste Grüße

Steffie

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